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„Mit so ’nem Scheiß kann man Geld verdienen?“ – Über YouTube, Geld und PewDiePie

Ich hatte diesen Artikel schon einmal angefangen zu schreiben, war aber nachträglich nicht so wirklich glücklich damit und deswegen – alles noch einmal auf Anfang. 

Es geht grob um PewDiePies Millionen und den Umgang der Medien damit. Vor allem aber auch um die Außensicht der Medien auf das Internet. Money makes the world go round. Das ist kein Geheimnis. Oft ist es so, dass Dinge erst dann beachtet werden, wenn es um Geld geht.  Und wenn es um viel Geld geht, dann sind die Reaktionen auch einmal eine Nummer extremer.

YouTube Deutschland – Sumpf der Marketing-Agenturen

Gerade YouTube Deutschland ist in den letzten Jahren zu einer einzigen Marketing-Plattform verkommen. „Schuld“ daran sind Netzwerke wie Mediakraft, die „Stars“ aus dem Boden stampfen und für die unkritische Zielgruppe ab 9 aufbereiten. Die Videos haben wenig Inhalte, die „Künstler“ müssen möglichst wenig polarisieren und vor allem austauschbar sein, wenn es denn nicht mehr so läuft. Dann steht schon der nächste gecastete 20-jährige bereit, der die Träume minderjähriger Mädchen bereichert.

Es geht um Abonnentenzahlen, Vermarktung außerhalb von YouTube (CDs, Bücher), um nicht von Google abhängig zu sein. Touren, obwohl die Leute nicht einmal singen können und Merchandise. Was hier gemacht wird – Man nimmt oft marketingunerfahrene „Jungtalente“ und lässt sie ausbluten, wie es bei den zahlreichen Casting-Shows im Fernsehen der Fall war.

Dieses Business da oben ist schwer. Mediakraft hat sich ordentlich finanzieren lassen, ist aber auch schon auf die Nase gefallen, nachdem Unge keinen Bock mehr auf die Arbeitsweise des Netzwerkes hatte.

Ihr seid nicht die Zielgruppe

Das Interessante ist, dass diese Stars da oben komplett unter dem Radar der Digital Natives schweben. Die hören höchstens von ihren Kindern die Namen dieser YouTuber, denken sich nicht viel dabei und sehen YouTube selbst noch als Plattform, auf der man vornehmlich Musikvideos schaut.  Sie werden aber dann hellhörig, wenn eine Meldung wie in den letzten Tagen kommt. 7 Millionen Dollar soll YouTuber PewDiePie machen. Das Doppelte vom letzten Jahr. Wer YouTube schon länger verfolgt, den wundern diese Zahlen nicht mehr. Die großen YouTuber sind sowieso schon Selfmade-Millionäre. Und aus dem Grund haben Netzwerke so einen Zulauf. Viele nehmen sich große YouTuber zum Vorbild, denken sich „Das kann ich doch auch“ und wollen deswegen ebenso groß und vielleicht reich werden.

Aber genau wie bei den Goldwäschern, wo auch nicht alle am Ende Multimillionäre waren, hat der Zulauf an neuen YouTubern bewirkt, dass YouTube als Plattform zwar gewachsen ist, aber man auch versucht, durch billige, massenmediumkompatible Produktion, die „schnelle Mark“ zu machen.  Quantität statt Qualität. Bullshit statt durchdachte Konzepte. Und in Deutschland dazu dann eben auch abgekupferte Konzepte statt eigener Ideen. Deutschland eben.

Seit Jahren im Geschäft

Wer schon vor dem Hype da war – wie zum Beispiel Gronkh und PewDiePie – hat jahrelange Arbeit hinter sich. Jahrelanges lernen, wie so ein Kanal funktioniert, was die Zuschauer mögen und wie man mit ihnen umgehen muss. Diese Kanäle sind – im Gegensatz zu den mit der heißen Nadel gestrickten Kanälen, die gerade hochgezogen werden – natürlich gewachsen. Die Fans haben ihre YouTuber kennen und lieben gelernt. Haben Jahre ihres Lebens mit diesen Entertainern verbracht.

Wer mit 13 sein erstes Gronkh-Video ganz am Anfang seiner Karriere geschaut hat, ist jetzt volljährig. Er hat quasi seine halbe Kindheit mit Gronkh verbracht – das verbindet und schafft Zuschauernähe.

Mit PewDiePie und auch mit Gronkh ist es kein Fall von „Über Nacht zum Millionär“ sondern ein Fall von „Über viele Jahre eine Fanbase aufgebaut.“

Ich verstehe nicht, wie man Leuten beim Computerspielen zuschauen kann

Ein häufiger Einwand, dass Let’s Plays ja kein richtiges Konzept seien. Anderen beim Computerspielen zuschauen – wieso sollte man sowas wollen. Mit diesem Einwand klingt ihr ein bisschen wie eure Großeltern. Let’s Plays – also kommentierte Spielszenen zu schauen, ist nämlich keine neue Idee. Ihr schaut gern Bundesliga? Ist auch nichts Anderes. Die Wenigsten, die ins Stadion gehen, werden genauso oft selbst auf dem Platz stehen.

Die Idee ist also alt. Das Medium ist neu. Während einem Fußballspieler die Millionen zugestanden werden, weil sie ja auf dem Platz gute Arbeit machen und ja auch regelmäßig trainieren, sieht das bei Gamern anders aus.

Wie bewerte ich Leistung?

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Und damit kommen zum eigentlichen Punkt – wie bewerten wir Leistung und ab wann haben wir das Gefühl, Leute hätten ihre Entlohnung  „verdient“. Seien es nun Millionen Euros, Millionen Abonnenten in den sozialen Netzwerken und Plattformen oder weltweite Aufmerksamkeit.

In Deutschland ist das eine ziemlich groteske Sache, denn wir verbinden das „Verdienen“ einer Belohnung oder Entlohnung mit Leiden. Man muss entweder große körperliche oder psychische Last auf sich nehmen, um eine Entlohnung zu verdienen. (Dass wir das in der Pflege nicht konsequent durchsetzen ist lustig, aber da ist der Geiz dann noch größer als unser Stockholmsyndrom)

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Regelmäßig jammern wir Montags darüber, dass wir unsere schreckliche Arbeit machen müssen, dass sie uns aus unserem Alltag reißt, dass unsere Kollegen furchtbar sind, die Kunden sind alle dumm und unser Chef rafft auch nichts. Wir werden zu Bürozeiten zu wahren Misanthropen. Wer am lautesten jammert, kann sicher sein, dass er sein Gehalt am meisten verdient hat. Als Entschädigung für seinen furchtbaren Job.  Auf Familienfeiern jammern wir uns gegenseitig vor, wie unfair unsere Arbeit ist, dass wir uns kaputt arbeiten. Wenn jemand einen härteren Job hat, jammern wir ein lautes „Ja aber“ hinterher, um denjenigen zu übertreffen. Ja unser Leben ist scheiße und jeder soll es wissen. Niemand soll unser Gehalt hinterfragen.

Woanders ist das anders. Da wird Arbeit durchaus als Bereicherung des Lebens gesehen. Da versucht man statt auf Sicherheit durch Scheiß-Arbeit auf Spaß durch ungewöhnliche Arbeit zu setzen. PewDiePie hat sich seine Karriere durch Nebenjobs finanziert und muss nun nichts anderes mehr machen. Er lebt ein Leben in dem er Spaß hat und damit Geld verdient.

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Der jammernde Deutsche wird dem entgegnen. „Das ist keine richtige Arbeit. Der leistet ja gar nichts. Der hat ein Lotterleben. Computerspiele sind keine richtige Arbeit.“ doch ich entgegne – Wer ist in dieser Rechnung der Dumme? Derjenige, der Spaß bei der Arbeit hat und damit Millionen macht oder derjenige der sich für 4€ netto die Stunde den Rücken krumm buckelt aus Angst, in dem System unterzugehen?

Denkt um

PewDiePie hat Spaß. Spaß steckt an und so schauen viele Leute seine Videos. Du vielleicht nicht, aber Millionen andere. Reichweite lässt sich in Geld umwandeln. Nicht erst seit dem Internet, aber jetzt wird vielen bewusst, dass das Internet ein ernstzunehmender Platz ist, an dem man neue Wege für seinen Lebensunterhalt gehen kann.

YouTube ist mehr als nur Musikvideos. YouTube ist mehr als die Lochis oder eine Bibi. YouTube ist auch mehr als PewDiePie. Das Internet ist mehr als PewDiePie. Er hat sich nur ein kleines Stück gesichert und ist damit Millionär geworden. Nicht weil er für das Geld angefangen hat, Videos zu machen, sondern aus Spaß und ohne Rücksicht darauf, dass sein Hobby zu Anfang nicht profitabel war und er Nebenjobs machen musste. Das kann man gut finden oder nicht. Die Millionen hat er sich verdient.

 

 

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Ist #Freiheit wirklich relevant? Sind Netzwerke überflüssig?

Simon Unge will sich von seinem Netzwerk trennen. Einem Netzwerk, dass noch nie den allerbesten Ruf hatte. Einem Netzwerk das von einem Skandal in den nächsten schlittert. Mehrfach wegen Schleichwerbung, Kritik an der Akquisition minderjähriger Partner bis hin zu kleinen Skandälchen, die nie die Community verlassen haben – aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen. Manchmal wurden TV-Berichte gelöscht, weil sich das Netzwerk falsch dargestellt sah und dann verbreitet man seltsame Grafiken über Kritiker in internen Newslettern. Alles in allem fällt es schwer ein Fan der Firma zu sein.

Was sind eigentlich Netzwerke und braucht man sie?

Netzwerke haben eine ganz seltsame Stellung in der YouTube-Landschaft. Vorweg – Wir müssen uns davon lösen, YouTube nur als eine Plattform für Katzenvideos zu sehen. YouTube ist Business und das nicht nur für Google, die mittlerweile keine roten Zahlen mehr schreiben, sondern auch für die Ersteller der Videos. Zwar gibt es immer noch immens viele Mitglieder, die YouTube aus Hobbygründen nutzen oder gar nur passiv konsumieren, aber es gibt auch die anderen, die professionelle Inhalte erstellen und damit ihr Geld und ihren Lebensunterhalt verdienen. Simon Unge ist einer von ihnen.

Ein YouTube-Kanal macht in erster Linie eine Sache – er frisst Zeit. Er frisst sogar unheimlich viel Zeit. Wenn man allein einen Kanal bedient, dann ist das kein Fulltime-Job, es sind mindestens zwei. Man muss nicht nur die Videos planen und drehen, sondern auch schneiden, rendern, hochladen, benennen, Thumbnails gestalten. Danach folgt die „Vermarktung“ über die verschiedenen Netzwerke, das moderieren der Kommentare und beantworten der Fragen. Danach vielleicht noch die Kommunikation mit Sponsoren und Werbekunden. Wenn es dann noch Probleme mit YouTube gibt (Copyright, Strikes oder was auch immer), dann steht meist alles still, was oben aufgezählt wurde, bis die Sache geklärt ist.

Hat man einen Kanal mit 100 Abonnenten und 10 Videos, dann hält sich die Arbeit in Grenzen. Hat man aber zwei Kanäle die zusammen monatlich 30 Millionen Views generieren, dann kann man sich vorstellen, in welche Größenordnung die Arbeitsstunden anwachsen.

Hier kommen Netzwerke ins Spiel – oder zumindest die Idee der Netzwerke. Netzwerke sollen dem YouTuber Arbeit abnehmen. Sie kümmern sich um die Vermarktung – das heißt um Sponsoren, Werbekunden. Sie kümmern sich manchmal auch um die Social Media Kanäle, indem sie eigene Teams abberufen. Das Einstellen der Videos auf YouTube kann auch zu ihrem Aufgabengebiet gehören. Manche Netzwerke schneiden sogar die Videos ihrer Partner.

Was genau ein Netzwerk macht ist immer eine Frage des Vertrags, den man bekommen hat und der Vertragsbedingungen, die man mit dem Netzwerk abgesprochen hat.

Google liebt und fördert Netzwerke. Am liebsten hätte man bei Google, dass alle Content-Ersteller in Netzwerken sind, denn Netzwerke nehmen Google Arbeit ab ohne dass Google die Netzwerke bezahlen muss, denn das Geld geben die Partner den Netzwerken. Zwischen 30 und 70 Prozent der Werbeeinahmen gehen an die Netzwerke. Häufig generieren die Netzwerke aber sowieso schon eine höhere Werbesumme, sodass es sich für die YouTuber trotz der hohen Abgaben lohnen kann.

So viel zur Theorie.

Die Realität hinter vielen Netzwerken sieht aber ganz anders aus. Um Werbekunden zu beeindrucken und Sponsoren sowie Investoren zu gewinnen, zählen vor allen Dingen Klickzahlen. Abonnenten sind gar nicht mehr so wichtig. Wichtig ist es zu zeigen „so oft wurden unsere Videos angeschaut“. Viele Klickzahlen mit wenig Aufwand erreicht man dann, wenn man viele Partner hat. Für ein Netzwerk ist es gefährlich, wenn es einige sehr starke Partner gibt, weil sie sich von diesen Partnern abhängig machen. Fällt einer weg, dann sinken auch deren Zahlen massiv. Das könnte Investoren verschrecken. Die Viewzahlen aber auf möglichst viele mittelgroße und kleine Kanäle aufzuteilen ist daher sicherer.

Mediakraft hat für diese mittelgroßen und kleinen Kanäle das „Talents“-Netzwerk gegründet. Aufnahmebedingungen gibt es keine – obwohl doch – man sollte einen Kanal haben. Der muss aber weder alt, noch erfolgreich sein. Genommen wird jeder und „Talents“ impliziert, dass man jungen Künstlern die Chance auf die große Karriere gibt. Die Wahrheit sieht aber anders aus.

Früh kamen Beschwerden, dass man weder einen Support noch einen Ansprechpartner hätte und sich Mediakraft bei Anfragen tot stelle. Das war wohl personaltechnisch auch gar nicht zu stemmen, wenn man jeden aufnimmt. Man gelobte zwar Besserung, aber dass es hier nicht um die Partner ging, sollte spätestens zu dem Zeitpunkt klar gewesen sein.

Simon will aus seinem Vertrag heraus und das mit einem Knall

In seinem Video berichtet er über einen schon länger anhaltenden Rechtsstreit mit seinem Netzwerk. Darüber, dass Verträge von Seiten des Netzwerks nicht eingehalten wurden. In einem veröffentlichten Ausschnitt aus einem internen Mediakraft-Forum auf Facebook redete man Tacheles. Ausstehende Beträge in fünfstelliger Höhe und eine ominöse Strafanzeige stehen im Raum. Ein Statement gibt es dazu jedoch nicht. Gleichzeitig wird klar – der Ton ist angespannt und die Nerven liegen bei allen Beteiligten blank.

Simon spricht in seinem Video davon, dass man versucht habe ihn unter Druck zu setzen. Man wolle ihn in die Privatinsolvenz treiben. Wie genau sagt er zwar nicht, aber allein der Begriff dürfte bei einem jungen Menschen den kalten Angstschweiß auf den Rücken treiben.

Mit Drohungen ist das so eine Sache – entweder man gibt ihnen nach und hält die Klappe – und das haben bisher alle gemacht, die in einer ähnlich-unglücklichen Situation waren – oder man macht sich nicht erpressbar und legt ohne Rücksicht auf Verluste alle Karten auf den Tisch.

Simon hat letzteres gemacht und damit zwei Kanäle geopfert, um seine Geschichte publik zu machen. Mit den Kanälen 30 Millionen Views im Monat, die ihm als Werbefläche verloren gehen. Laut des internen Facebook-Auszugs ist das immerhin eine fünfstellige Summe im Monat.

Die Verhandlungen scheinen sich zu ziehen und so spielt er die einzige Karte, die er gegen sein Netzwerk in der Hand hat – seine Reichweite. Das Netzwerk hält sich bei den Kanälen oft lieber im Hintergrund und tritt nur so weit in Erscheinung wie es nötig ist. Die Authentizität der YouTuber soll nicht durch einen Vermarkter gestört werden. Und genau das ist Mediakrafts Schwachstelle, denn die Sympathien der Fans, die man gesammelt hat, sind beim YouTuber, der täglich sein Gesicht in die Kamera hält und nicht bei den Büromenschen, die im Hintergrund arbeiten – oder laut Simon eben nicht. Und so muss sich Mediakraft seit Tagen einen Shitstorm antun, der nicht nur auf YouTube und in den Netzwerken ´wütet, sondern auch in anerkannten Nachrichtenmedien auftaucht.

Kinder gegen das Major-Label

Und dieser Shitstorm wird nicht etwa von Medienleuten befeuert – diese haben sich kaum bis gar nicht mit YouTube befasst und erkennen den Wert jetzt erst langsam. Nein – befeuert wird er von der werberelevanten Zielgruppe zwischen 9 und 16. Auf welcher Höhe dieser Shitstorm stattfindet, ist vorstellbar.

Diese Zielguppe ist unkritisch, impulsiv und lässt sich leicht begeistern. Eine Zielgruppe die man gern auf seiner Seite hat, wenn man Vermarkter ist – eine Zielgruppe die Mediakraft nun aber gegen sich hat und die sie nicht verlieren dürfen, denn genau auf ihnen baut das Geschäftskonzept aller Kanäle auf. Während diverse Profile des Netzwerks und der Mitarbeiter nun mit Fäkalkommentaren, Drohungen und Beleidigungen gespammt werden, versucht Simon in einem Video auf seinem Facebook-Profil zu deeskalieren, aber das dürfte schwierig werden, denn diese Kinder und Teenager fühlen sich im Recht und man will ihnen gefühlt das wegnehmen, was ihnen sehr wichtig ist.

Endlich vs. Mach dass es vorbei geht

Die Unzufriedenheit gegenüber Mediakraft brodelte schon seit Monaten in der Community. Untereinander unterhielt man sich darüber, was passierte. Viele – auch bekannte YouTuber wie MrTrashpack reden davon, dass dort einiges falsch läuft, aber keiner wird konkret.

Es brauchte einen Stein, der die Geschichte zum Rollen bringt. Jemanden dessen Wut größer ist als seine Angst und derjenige ist nun gefunden und er bringt so viele Fans mit, dass sich Mediakraft diesmal nicht mehr herausreden kann.

Große YouTuber loben Simon für seinen Schritt. Allen voran Gronkh, dessen Stand zu dem Netzwerk am harmlosesten mit „Unterkühlt“ beschrieben werden kann. In seinen Videos nahm er zu dem Thema oft kein Blatt vor den Mund.

Simon wusste mit seinem Video, dass er etwas lostreten würde, aber was genau, war ihm sicherlich nicht wirklich klar, bis es passierte. In seinem Podcast deutete er an, dass alle mal etwas runterfahren sollten und dass es etwas viel wird. Die Anspannung der letzten Wochen und Tage dürften auch ihm in den Knochen stecken. Was nun mit Mediakraft, Simon und seinen Kanälen passiert, werden die nächsten Tage zeigen.

Der Plan B steht mit dem neuen Kanal „Unge“ schon. Ein Kanal, der laut seinen Aussagen nicht ihm, sondern einem Nicht-Mediakraft-Mitglied gehört, denn rechtlich darf er keinen neuen Kanal erstellen, ohne nicht Mediakraft zumindest die Erstoption auf den Content zu bieten.

Mediakraft wäre gut beraten, Simon aus seinem Vertrag zu entlassen, ihm seine Kanäle zu überstellen und die Sache möglichst schnell zu klären. Je länger der Streit öffentlich ausgetragen wird, desto größer ist der Schaden für den Ruf des Netzwerks. Auf der anderen Seite wäre Simon dann aber nicht der einzige, der aus seinem Vertrag raus will. Einige Mitglieder sitzen gegen Ende nur noch enttäuscht ihre Zeit ab und hoffen dann wieder auf eigenen Beinen zu stehen.

 #Freiheit betrifft nicht Simon, sondern eine ganze Generation

Wer denkt, es gehe bei #Freiheit um die Befindlichkeiten eines verwöhnten Jungen, der nicht genug bekommt, der hat die letzten Jahre unter einem Stein gelebt. Denn würde er nicht genug bekommen können, dann würde er bei Mediakraft bleiben und sich mit ihnen bestens verstehen.

Hier geht es um eine ganze Generation. Eine Generation, die man heutzutage sogar kaum mehr versteht, wenn man die 20 überschritten hat. Hier geht es um greifbare Idole, Ideale und der Tatsache, dass das Netz und ein YouTuber die wohl mächtigsten Signalverstärker der kommenden Online-Generation sind.

Man kann das Thema also humoristisch abwertend betrachten. Man kann sich aber auch Gedanken machen, was das über die eigene Medienkompetenz aussagt. Man kann aber vor allem in dieser Situation sehen, dass die Internetmedien mit den gleichen Problemen und Sorgen zu kämpfen haben, wie klassische Berufszweige. Nur da werden sie anerkannt.

YouTube unterscheidet sich damit mittlerweile kaum mehr von der restlichen Medienbranche, wo der Schein nach außen immer sauberer ist, als die Tatsachen hinter den Kulissen.

Mut für andere

Ich hoffe, dass sich durch Simons Video andere beflügelt fühlen, nicht nur selbst auszupacken, sondern sich auch den Schritt zu trauen, laut zu werden. Es ist wie das Bild mit einem Fischschwarm, der immer noch stärker ist als der einzelne Fisch im Wasser. Warten wir ab, wie viel Freiheit für deutsche YouTuber vorgesehen ist.

Titelbild: Rupert Ganzer  Some rights reserved

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YouTube ruiniert sich durch das Content-ID-System

Ich möchte das Content-ID-System nicht generell schlecht reden, denn im Prinzip hat sich YouTube etwas ausgedacht, dass durchaus Sinn ergeben könnte, wenn es denn funktionieren würde.

Heutzutage ist es eigentlich unmöglich die Verbreitung von Medien im Internet zu verhindern. Menschen teilen, was sie lieben und wenn es Musik ist, dann wollen sie auch diese teilen. Medienkonsum ist eine äußerst soziales Unterfangen und Menschen möchten andere menschen an positiven Gefühlen teilhaben lassen.

Das Content-ID-System war dazu gedacht, dass die tatsächlichen  Rechteinhaber in der Lage sind, zu verfolgen wo ihre Inhalte eingesetzt werden und diese selbst zu monetarisieren. Nutzt man also das Lied von Band A, kann diese Werbung über das Video schalten und verdient daran.

Nun ist es aber so, dass YouTube sich in all den Jahren, in denen sie das Content-ID-System aufgebaut haben, nicht darum gekümmert hat zu überprüfen, ob die Leute, die Rechte an etwas einreichen, diese überhaupt besitzen. Das zahlt sich durch das. sei letztem Jahr strenger agierende Content-ID-System nun aus. 80% der Copyright-Claims sind falsch – unberechtigt. Häufig kommen sie von Multichannel-Netzworks, also Netzwerken, die Gameplay-Material fälschlicherweise als ihr eigenes Material claimen. Dann gibt es noch zahlreiche Abzockerfirmen, die mit dem Content-ID-System richtig Kohle machen, indem sie vor allem an Viral-Videos Rechte anmelden, um hier Werbung über die fremden Videos zu schalten. Ein Penalty bei falschen Rechteangaben gibt es für Netzwerke und andere angebliche Rechteinhaber offensichtlich nicht, denn sonst würden diese mit dieser linken Masche nicht schon seit Jahren durchkommen.

Google muss nun anfangen, die Rechte konsequenter zu prüfen, aber selbst die Widerspruchsabteilung ist absolut überlastet. Mein Widerspruch liegt seit fast vier Wochen unangetastet im Videomanager, ohne dass sich ein Verantwortlicher diesen einmal angeschaut hat. In  einigen Tagen läuft er aus und dann würde meinem Widerspruch automatisch stattgegeben werden.

Für YouTuber bedeutet diese Nachlässigkeit Googles und YouTubes, dass sie noch stärker darauf achten müssen, wer an ihren Videos Rechte anmeldet und ob diese überhaupt rechtmäßig sind. Schreibt sowohl die wirklichen Rechteinhaber an (wenn ihr Gameplays usw macht) und schreibt auch die vermeintlichen Inhaber an, damit eure Claims verschwinden.

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Angriff der Teeniekrieger: Großer deutscher Let’s Player kassiert drei Youtube-Strikes wegen Fahrenheit-Sexszene

Es kann jeden Treffen – die Großen und die Kleinen. Während bei den Kleinen oft kein Aufsehen darum gemacht wird, wenn sie Youtube Reglementierungen unterworfen werden, bricht bei jemandem mit einer großen Community direkt der Krieg los. Wenn ich Krieg sage, dann meine ich das tatsächlich so. Es sind unfassbare Szenen die sich momentan abspielen.

Sex sells, kann aber auch dazu führen gesperrt zu werden

Ein großer Let’s Player kassierte gestern insgesamt drei Strikes auf seinen Youtube-Kanal. Wer sich mit den Regeln nicht auskennt: Strikes sind Verwarnungen bei Verstößen gegen die Nutzungsbedingungen. Bekommt man zu viele, ist das Konto weg und in den meisten Fällen auch der Weg, Videos zu monetarisieren. Bei Google und bei Adsense ist das nämlich besonders bitter, da die Sperre nicht an den Account sondern an die Person gebunden ist. Das heißt, ist man einmal gesperrt, kann man nie wieder ein neues Adsense-Konto eröffnen (Es sei denn man ändert seine Identität, aber wer macht das schon für Adsense?)

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Grund für die Strikes war ein Video des Computerspiels Fahrenheit. Das Spiel ist uralt und grafisch kein wirklicher Leckerbissen, hat aber eins – sichtbare Sexszenen. Nun kommen wir zu dem kulturellen Graben, der zwischen Amis und uns liegt: Sex zu zeigen ist nicht ok. Das Video wurde wohl von irgendjemandem gemeldet, Youtube hat darauf reagiert und es gesperrt. Der Let’s Player lud daraufhin eine zensierte Version des Videos hoch, die ebenfalls gesperrt wurde. Für beide Versuche kassierte er laut eigenen Angaben jeweils einen Strike.

Was genau dann im Hintergrund ablief, weiß man nicht, aber vermutlich wird er Youtube die Hölle heiß gemacht haben, denn für ihn ist der Let’s Play Kanal mehr als nur ein spaßiges Hobby, sondern Grundlage für seinen Job, seine Firma und damit letztendlich auch seines Lebensunterhalts. Stand der Dinge dann gestern Abend. Das zensierte Video, in dem dann kein Sex mehr zu sehen war, bekam eine Altersbeschränkung, ein Strike wurde aufgehoben aber er hatte wohl auf seinem ersten Video später zwei Strikes, die noch weiterhin bestehen.

Rache ist Blutwurst

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Soviel zu den Geschehnissen des gestrigen Tages. Nun zu den Auswirkungen auf Youtube. Der Videodienst sieht sich derzeit Heerscharen von Teenagern ausgesetzt, die in diesem Handeln eine weltgroße Ungerechtigkeit sehen und weder die Zusammenhänge dahinter verstehen, noch die Grenzen kennen, die ihr Handeln hat oder die Folgen bedenken, die ihr Handeln haben könnte. Im Eifer des Aktionismus wurden Online-Petitionen erstellt, Supportkanäle geflamed und hunderte Kommentare unter jeden Status gepostet. Irgendwann gegen Nachmittag/Abend kippte bei einigen wohl die Stimmung über die empfundene Ungerechtigkeit und Leute fingen an, auch andere Youtuber zu melden, die Fahrenheit ebenfalls Let’s Played haben.

Folge: Auch diesen Youtubern wurden die Videos gesperrt und einige von ihnen haben ebenfalls Strikes bekommen. Dies zum Anlass nehmend, kommentierte der große Let’s Player Abends auf seiner Facebook-Seite, dass die Leute dies doch bitte unterlassen sollten und dass das Melden anderer nur „doof und unfair“ sei.

Zwar lässt sich der Gedankengang dieser Fans irgendwie „logisch“ nachvollziehen – im Sinne von „Wenn er gesperrt wird, ist es unfair, wenn andere durchkommen“, aber sie richten Schäden in zwei Richtungen an. Zum einen schaden sie der Community, von der sie immer beteuern, dass sie ja zusammenhalten müsse. Was für eine Community ist das, wenn sie dem Nachbarn das Messer in den Rücken sticht, sobald er sich umdreht? Zum anderen nehmen sie IHREM Let’s Player eine wichtige Argumentationsgrundlage weg. Konnte er vorher sagen „Die Szene ist hundertfach unzensiert auf Youtube zu finden.“ Kann Youtube nun sagen „Beschwer dich nicht, wir haben andere ebenfalls gesperrt.“ Damit haben sie also nur sich selbst und ihrem Let’s Player geschadet.

Ich dachte für solche Fälle gibt es Netzwerke?

Eine Frage, die sich nun für mich stellt ist der Sinn hinter Netzwerken für Let’s Player. Oft wird betont, dass genau DIESE Szenen nicht passieren können, wenn man bei einem Netzwerk unter Vertrag sei. Dort habe man bei Youtube direkte Ansprechpartner, werde betreut, man habe sogar Rechtsberatung und alles sei ganz sicher. Wenn nun aber einer der größten Let’s Player die gleichen Probleme hat bei Youtube Gehör zu finden, wie die kleinen Let’s Player – braucht es dann Netzwerke oder hat dieses eine spezielle Netzwerk in diesem Fall einfach nur versagt?

Ich glaube das sind Fragen, die wir uns alle einmal durch den Kopf gehen lassen sollten, wenn wir uns mit Youtube beschäftigen. Was haben wir gelernt? Blinder Aktionismus bringt gar nichts, es kann immer jeden treffen und die Community hält nur so lang zusammen, wie sie für sich selbst Vorteile erkennt.

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Alle Let’s Play Projekte von Elvun in der Übersicht

Hallo Zockerherzen!

ihr werdet mitbekommen haben, dass es hier auf der Seite ein bsschen ruhiger geworden ist. Das liegt aber nicht daran, dass wir auf der faulen Haut liegen, sondern daran, dass die Zeit knapper geworden ist. Nachdem unser Youtube-Account einige Zeit lang etwas brach lag, haben wir ihn vor einigen Wochen wiederbelebt und füllen ihn nun mehrmals täglich mit neuen Let’s Play und Gameplay-Videos. Rypzylon und ich versorgen euch dabei nicht nur mit Videos unserer eigenen Projekte, sondern auch mit einem Let’s Play Together von Borderlands 2. Hier haben wir uns aber geschenkt, wieder von vorn anzufangen, sondern spielen im wahren Kammerjägermodus.

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Damit ihr eine kleine Übersicht der derzeit aktuellen Let’s Play Projekte habt, verlinke ich euch noch einmal die entsprechenden Playlisten.

Rypzylon:

Ricarda:

Rypzylon und Ricarda:

Zwischendrin gibt es auch einzelne Let’s Test Videos zu Games wo sich ein Let’s Play nicht lohnen würde. Es lohnt sich also, unseren Kanal zu abonnieren. Der derzeitige Uploadplan sieht wie folgt aus (Abweichungen möglich, da wir ja auch mal andere Sachen zu machen haben)

Täglich: Minecraft
Montags, Mittwochs, Freitags: Borderlands 2
Dienstags, Donnerstags: The Walking Dead

The Walking Dead wird bald zuende sein und dann mit einem neuen Titel getauscht werden. Dafür am besten einfach den Kanal verfolgen.

Bei den Minecraft-Aufnahmen könnt ihr euch manchmal über Twitter aktiv beteiligen. Ankündigungen, wann die Aufnahmen sind, gibts dann entweder über meinen Twitter-Account oder über den des Elvunblogs.

Elvun Youtube