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#sosehengameraus und das passt nicht jedem

Ich gebe zu, als ich das erste Mal diesen Hashtag #sosehengameraus gesehen habe, dachte ich „Okay, naja. Hatten wir ja schon mal. Nannte sich damals #notyourshield, sollte die Diversität von der Gaming-Community zeigen und endete darin, dass viele Frauen von sogenannten Aktivisten angegriffen wurden, dass sie ja nicht echt seien, dass sie Fake-Accounts seien und dass sie von pickligen Gamern in Kellern erstellt wurden, um den Eindruck zu erwecken, die Gaming-Community sei inklusiv.“ 

Ich scrollte so durch die Timeline, um herauszufinden, woher dieser Hashtag nun kam. Quelle des Ganzen ist eine Frau, genauer gesagt eine Gamedesign-Professorin aus Trier. Prof. Dr. Linda Breitlauch der Name. Mir war die Dame bislang nicht bekannt und so scrollte ich weiter und fand zuerst den Artikel bei den Herren von Superlevel.  Marcus Dittmar beschreibt hier seine ganz persönlichen Probleme mit dem Hashtag und dass Gamer ja nun eher die Personen sind, die lieber Frauen hassen und generell eher böse Menschen sind – ohne dabei zu merken, dass er hier nicht nur eine Frau vor sich hat, sondern eine Frau aus der Branche mit leitender Position.  Dittmar schreibt aus seiner Filterblase heraus. Eine Filterblase in der Gamer Sexisten sind, in der bereits jeder Videospiele spielt und in der Videospiele etwas Normales sind. Ein normales Hobby, das keinen weiterführenden Begriff braucht – und wenn, dann doch bitte nicht Gamer. Videospieler zum Beispiel. Eine großartige Idee in einer internationalen Community, in der nicht jeder deutschsprachig ist.

Danach stieß ich auf den Insert Moin Podcast mit Dittmar und Breitlauch. Und jedem, der sich ein bisschen über das Thema informieren möchte, empfehle ich unbedingt, diesen Podcast anzuhören, denn er demonstriert mehr als gut den Stand den derzeit Gaming und Presse erleben und welch unterschiedliche Positionen sie eigentlich einnehmen.

Während Dittmar fast die komplette Sendung über versucht die Empfindungen, die er in seiner Filterblase gesammelt hat, als Tatsachen darzustellen, zu generalisieren, sich an einzelnen Beispielen festzubeißen und immer wieder schwammige Formulierungen wie „aber viele sind so.“ und „es hat sich gezeigt, dass.“, bringt Breitlauch Beispiele aus ihrem Alltag, der ihr keine Filterblase erlaubt, denn sie kommt genauso, wie sie mit angehenden Gamedesignern in Kontakt ist, auch mit der Realität außerhalb der Gaming-Community in Berührung.

Sie sieht die ablehnende Haltung der Medien, Pädagogen, und Eltern Computerspielen gegenüber. Sie erzählt von Aufsätzen, die Schüler schreiben müssen „Wieso sind Videospiele gefährlich.“ Vor allem beschreibt sie die Gaming-Community so, wie sie sie wahrnimmt und weswegen die den Hashtag überhaupt erst startete: Vielfältig, humorvoll und inkludierend. Für Dittmar beruht diese Wahrnehmung und Selbstidentifikation als Gamer auf Unwissenheit. Und vielleicht kann man die Einstellung „Wer nicht meiner Meinung ist, weiß es einfach nur noch nicht besser.“ als anmaßend empfinden, aber trotz seiner Kritik an Breitlauch „dass er ja nicht gedacht hätte, dass so eine Aktion gerade von ihr käme.“ bleibt sie im Gespräche souverän und führt Probleme an, die Videospiele in unserer Gesellschaft haben. Von fehlender Akzeptanz verschiedener Genres und Storylines bis hin über Förderungen für Spiele oder Arbeitschancen für angehende Spieledesigner.  „Videospiele müssen nicht die Realität widerspiegeln“ sagt sie und spricht damit zum Beispiel die Ablehnung von Spielen an, die Gewaltszenen beinhalten. Videospiele müssen nicht den Regeln folgen, die uns der Alltag bietet. Das macht immerhin nicht einmal die Lebenssimulation „Die Sims.“

Ein Highlight des Gesprächs für mich war der Satz „Es ist gefährlich im Gaming mehr als ein Hobby zu sehen.“, denn soweit ich weiß, ist es das für Linda Breitlauch, denn ich hoffe, sie wird für die Professur im Bereich Gamedesign, bezahlt.

Games, Gaming und Gamer werden herabgewertet

Es ist akzeptiert, Games, Gamer und Gaming herabzuwerten. Ihr Hobby ist sinnlos, ihr Hobby ist Zeitverschwendung und ihr Hobby ist vor allem nichts anderes als nur ein dummes Hobby.

Gleichzeitig wird dann aber kritisiert, dass in der Gamingbranche, also in dem Bereich in dem Menschen im Gaming mehr als nur ihr Hobby sehen, zu wenig Frauen vorhanden seien. Grund hierfür sind natürlich auch die bösen Gamer, denn sie lassen die Frauen ja nicht mitmachen.

Davon abgesehen, dass Linda Breitlauch durchaus eine Frau ist, die man hat mitmachen lassen, sehe ich das Problem in den ersten beiden Absätzen über diesem. Wenn man in einer Gesellschaft aufwächst, in der man nicht nur gesagt bekommt, dass Computerspiele gefährlich, sondern auch noch sinnlos, nutzlos und Zeitverschwendung seien, ist die Wahrscheinlichkeit, später einmal beruflich in diese Richtung zu arbeiten, äußerst gering.

Menschen, die dann wirklich eine Leidenschaft für Games haben und sogar beim Hashtag #sosehengameraus mitmachen, müssen dann aber uninformiert sein, weil sie sich ja mit etwas identifizieren, das böse ist.

Linda Breitlauch hat es mit dem Hashtag und dem Podcast offiziell auf meine Liste der Lieblingsmenschen geschafft. Eine schöne Demonstration, was passiert, wenn eine emotional gebildete Meinung auf eine fachliche Meinung trifft.

So sieht Linda Breitlauch aus


So sehe ich aus

10153723_10152297167859976_245655182_nTja und so sehen Gamer aus.

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