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Nein Anita, nein wirklich nicht – Gamer wehren sich unter #NotYourShield

Und so trug es sich zu, dass der Gamer, dessen einzig Begehr es war, seiner Liebe zu Computerspielen zu frönen, auf einmal gejagt wurde, weil er das edle Fräulein Prinzessin beleidigt zu haben schien. Und weil der Gamer im Königreich keinen hohen Ruf genoss, kamen sie mit den Mistgabeln ihn zu jagen und auf den Scheiterhaufen zu werfen. 

Das ist vermutlich das schlechteste Märchen der Welt. Ähnlich schlecht wie das was derzeit in der Journaille vor sich geht. Ähnlich schlecht was derzeit über die Gamer im Allgemeinen hereinbricht. Eine Flut erhobener Zeigefinger. Eine Flut an Beleidigungen und der Plan, Gamer noch weiter ins Abseits zu drängen.

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Man gehe auf die Straße und frage Menschen, was sie zum Thema Gamer so wissen. Was werden wir wohl hören? Männer, Killerspieler, keine Sozialkontakte, nie eine Freundin gehabt, übergewichtig, faul, ungewaschen…

Man könnte so weitermachen. Zusammengefasst könnte man also sagen, dass das Ansehen des Gamers schon seit langer Zeit beschmutzt ist. Gegen diese Stigmatisierung wehren sich Gamer auch schon seit ebenso langer Zeit. Es werden Proteste gegen jeden Artikel laut, der nur das Wort „Killerspiel“ verwendet. Jedes Mal, wenn Gamer in ein schlechtes Licht gerückt werden, tut man sich zusammen und versucht das Bild positiv zu prägen. Man versucht Menschen, die dieses Hobby nicht teilen, verständlich zu machen, dass man ein ganz normaler Mensch ist, der eigentlich einfach nur Spiele spielt.

#NotYourShield

Und nun trägt es sich zu das einem der wohl anerkanntesten Gaming-YouTuber (ein weißer heterosexueller Mann) der Kragen platzt – und nicht nur ihm. Boogie2988 stört es genau wie viele andere auch, dass nun nicht nur vereinzelte Menschen auf die Gamer als Gruppe einprügeln, sondern auch die Medien – die Gamingmedien. Blogs und Magazine die EIGENTLICH auf der Seite der Gamer stehen. Die EIGENTLICH die Sicht der Gamer kennen sollten und die EIGENTLICH wissen sollten dass die Communtiy so vielfältig ist, dass man wohl kaum von einem frauenhassenden und rassistischen Haufen geifernder weißer Hetero-Männer sprechen kann.

Er ruft auf unter #NotYourShield auf, dem eigenen Frust Luft zu machen. Startet sogar eine Petition, um der Presse zu zeigen „Ich bin Gamer und benutzt mich nicht für eure billige Propaganda.“ Und es funktioniert. Innerhalb kürzester Zeit melden sich zahlreiche Männer und Frauen, die genau diese Meinung vertreten. Sie sagen wer sie sind, und wieso sie zocken  und nicht der Vorwand sein wollen, wegen dem die Industrie zerstört wird.

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Das Abartige daran ist, dass genau diesen nun unterstellt wird, nicht real zu sein. Dass die Accounts ja nur Sockenpuppen verschiedener 4Chan-User seien. Als hätten Frauen keine eigene Meinung oder als hätten sie den Frauenhass schon so verinnerlicht, dass er ihnen gar nicht mehr auffällt.

Das sind nur wenige der zahlreichen Beiträge die es zu #NotYourShield gibt. Aber sie zeigen nicht nur sehr eindringlich, dass die Gaming-Community auch in diesem Versuch, sie zu diskreditieren, zusammensteht. Sie zeigen auch wie vielfältig Gaming ist. Sie zeigen wie vielfältig Gamer sind.

 

Sie zeigen, dass Gamer nicht nur aus allen Einkommensschichten kommen, sondern auch aus allen Nationalitäten und dass sie vor allem so unterschiedlich sind, wie sie nur sein können.

Es gibt „Bad Apples“

Da Gamer nur deswegen Gamer sind weil sie die gemeinsame Vorliebe für Videospiele haben, kann man Gamer nicht als gleichgesinnte Gruppe verallgemeinern. Nur ein einziges Hobby gemeinsam zu haben, macht eine Gruppe nicht homogen. Es wird – wie es auch außerhalb von Gruppen der Fall ist – immer Idioten geben, die dumme Sprüche reißen. Die vielleicht sogar Frauen hassen. Die gibt es aber auch unter Ärzten, Kindergärtnern und Handyverkäufern. Niemand würde auf die Idee kommen, deren Ansichten auf die komplette Gruppe zu generalisieren.

Die Gaming-Community ist aber stark und selbstbewusst. Unter #NotYourShield kann man sehen wie stark und wie selbstbewusst. Schon immer war sie in der Lage, die Bad Apples auszusortieren. Denn Gaming soll Spaß machen und das macht es nur mit den richtigen Leuten.

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Es ist unsere Verantwortung, diesen Bad Apples kein Gehör zu schenken. Ihnen keine Plattform zu geben und zu sagen, dass sie und ihre Ansichten nicht willkommen sind. Aber das ist nicht nur unsere Verantwortung als Gamer sondern als Menschen.

Dreckiges Marketing

Aber wieso funktioniert es? Wieso kann man Gamer so leicht diskreditieren? Das ist ganz einfach. Der Ruf der Computerspiele liebenden Menschen ist so oder so angekratzt. Als potentielle Amokläufer sind wir bereits in die Medien eingegangen. Als ungewaschene Nerd stellte uns noch vor wenigen Jahren ein großer Fernsehsender dar. Bei Schießereien und ähnlichen Vorfällen wird immer wieder herausgekramt, welche Computerspiele der Täter spielte und daraus werden die großen Geschichten gemacht.

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Gamer sind das alles gewohnt. Sie kennen das Gefühl von der Gesellschaft verstoßen, verletzt und nicht respektiert zu werden. Wieso sollte eine Frau Sarkeesian und eine Reihe Reporter da noch eine Rolle spielen?

Sie spielen eine Rolle, weil der Buzz, den sie verursachen ein anderer ist. Weil Frau Sarkeesian es perfektioniert hat ihre Internetauftritte und Handlungen so in den Mittelpunkt zu stellen, dass es jeder mitbekommt. Gleichzeitig schafft sie es, jeden gegen sich zu sehen, der nicht für sie ist. Der nicht bedingungslos für sie ist. Das lässt die Emotionen hochkochen. Und Gamingpresse, die sowieso schon einen schlechten Ruf hat, hofft dann, wenn sie mit bedingungsloser Unterstützung hinter ihr steht, ihren Ruf zu wahren.

Aber Frau Sarkeesian kommt nicht, um die Videospielindustrie zu retten. Síe kommt nicht, um Gamer zu retten. Sie hat sich einfach nur ein passendes Themenfeld gesucht, das vorher noch nicht mit feministischen Themen besetzt war – weil Frauenhass kein Thema war. Gamer hassen keine Frauen. Und da Gamer sowieso keinen guten Ruf genießen ist es nicht schwer den Leuten das zu präsentieren, was sie hören wollen. Sie wissen, dass Gamer schlechte Menschen sein müssen, aber ihnen fehlte eine Galionsfigur, die dies mit halbgaren Mitteln beweist. Deswegen müssen ihre Videos auch nicht gut und 100% richtig sein. Das interessiert niemanden, denn die Leute glauben das, was sie glauben wollen und finden sie Fehler, schauen sie drüber hinweg, weil es ja „für die gute Sache“ ist.

Und hier wird jetzt gewildert. Mit allen Mitteln. Und während die Presse nickend daneben steht, denn eine Frau, die scheinbar bedroht wird, muss ja immer mit allem Recht haben, wehren sich die Gamer, denn hier soll etwas zerstört werden, mit dem sie sich identifizieren.

Gegen Hass und Gewalt

Fast kein Gamer (Bad Apples gibts überall) wird ein Problem damit haben, sich von Hass und Drohungen zu distanzieren. Viele Gamer haben aber ein Problem damit, wenn das Handeln einiger weniger, die in den Mittelpunkt gestellt wird und auf eine komplette Gruppe übertragen wird, weil das unfair ist. Es stellt die Tatsachen falsch dar. Natürlich unterstreichen Hasskommentare Sarkeesians Theorie, aber das darf nicht der Grund sein, eine überwältigende Masse an konstruktiver Kritik auszublenden, als würde sie nicht existieren.

Hass, Gewalt und Drohungen sind hier nicht das Thema. Das Thema ist, wie können Gamer es schaffen zu demonstrieren, dass sie Menschen sind, die einfach nur Computerspiele mögen? Da männliche Meinungen – mögen sie noch so hilfreich sein – nicht ernst genommen werden, ist es umso wichtiger, dass wir Frauen uns melden. Wir, die zockenden Frauen, die angeblich kaum existieren, die angeblich furchtbare Erfahrungen im Gaming gemacht haben, die ständig bedroht werden müssten.

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Wir müssen unsere Stimme erheben und neben unseren männlichen Gamer-Freunden sagen „Wir sind Gamer und wir hassen nicht. Wir lieben einfach nur Computerspiele.“ Und das sage ich hiermit. Hört auf Computerspiele und Gamer als etwas Negatives darzustellen, denn Gaming ist etwas, dass mit sozialer Interaktion, mit Ablenkung vom schlimmen Alltag und Freundschaft zu tun hat und nichts mit dem, was ihr in euren kleinen Büros für euch konstruiert.

Zwei sehr unterschiedliche, weiterführende Artikel

#NotYourShield und Petition