Kategorie-Archiv: News

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Microsoft kauft Minecraft – “It’s not about the money. It’s about my sanity.”

Schaut man sich Dokumentationen und “Homestorys” mit Notch und Mojang an, könnte man denken, dass er den geilsten Job der Welt hat, mit dem man vermutlich gern alt werden würde. Aber um ein Milliarden-Unternehmen zu führen, braucht es einen bestimmten Charakter und viel dickes Fell. Notch wollte raus da und das hatte Konsequenzen. 

Die Gerüchte dazu gab es schon einige Tage lang. Gestern dann die Bestätigung. Microsoft kauft Mojang und damit auch Minecraft für 2,5 Milliarden US-Dollar.

Die Meldung wurde in der Community mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen. Zuerst war die Ablehnung vorherrschend. Notch wurde als geldgeil betitelt, als Verräter und viele sahen den Tod von Minecraft voraus.

Notch möchte ein ruhiges Leben

Nach einer Stellungnahme von Notch selbst – die sein Blog zeitweise zusammenbrechen ließ – erklärte er sich. Er selbst habe sich nie als Spieleentwickler gesehen, sondern habe das alles nur aus Spaß gemacht. Er habe in den letzten Monaten selbst nur noch im Büro gesessen und herumexperimentiert, während andere wirklich gearbeitet haben. Die Leitung von Minecraft hatte sowieso schon länger Jeb und nicht mehr Notch selbst.  Für ihn ist der Verkauf und das Verlassen der Firma ein Neuanfang. Die Verantwortung abgeben und wieder leben.

Schon in der Reportage über Minecraft konnte man sehen, dass Notch eher introvertiert ist und mit der Aufmerksamkeit, die seine Person erregt, kaum umgehen kann. Er ist zu einer Ikone der Indie-Spielebewegung emporgestiegen und er fühlte sich in dieser Rolle nicht sonderlich wohl.

Unklare Zukunft

Sich komplett aus der Branche zurückzuziehen und wieder in den Hintergrund zu verschwinden ist in meinen Augen das Beste, das er für sich und seine Gesundheit tun kann. Finanziell sollte er ausgesorgt haben und kann sich nun ein ruhiges Leben fernab irgendwelcher Verpflichtungen machen. Dazu kann er weiter herumexperimentieren und Programmieren wie er lustig ist.

Wie es jetzt mit Minecraft und den anderen Mojang-Projekten weitergeht, bleibt abzuwarten. Trotz allem bleibt nur eine Sache zu sagen.

Danke Notch und danke Mojang.

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Jahrelang nicht mehr als ‘ne Klickstrecke wert – Über Frauen in der Gaming-Presse

Nach meinem letzten Artikel meldeten sich viele Leute zu Wort. 99% davon Männer, die der Meinung waren, mich zurechtweisen zu müssen, wie ich als Frau eine bestimmte Situation zu werten hätte. Danke dafür – das zeigt, dass Sarkeesian nicht mit allem Unrecht hatte. Davon abgesehen fand ich mich in vielen Diskussionen wieder, die versuchten die Fragen zu beantworten, wieso Frauen in der Branche eigentlich so selten sind und wieso sie so labil sind, die Branche zu verlassen, wenn sie eine polarisierende Meinung vertreten. Das fragt ihr euch wirklich? 

Ich bin in einem reinen Frauenhaushalt groß geworden. Das bedeutet, ich habe ziemlich gute Nerven. Ich habe in der Vergangenheit in meiner “Bloggerkarriere” schon so einiges mitbekommen. Drohungen, meine Tiere zu vergiften, Drohungen, mir aufzulauern, Beleidigungen gegen mich, meine Freunde, meine Familie und gegen so ziemlich jeden der mich kennt. Ich hätte 1000 Gründe gehabt, das Ganze hier an den Nagel zu hängen, aber ich habs nicht gemacht, weil ich was zu sagen habe und das ist wichtiger als ich und meine Befindlichkeiten. Das ist vor allem wichtiger als die Alleingänge irgendwelcher asozialen Egogänger.

Gewalt, Trolling = keine Argumente

Sie wollen psychische Gewalt ausüben, weil sie keine Argumente haben. Sie wollen Menschen einschüchtern, weil sie keine Argumente haben. Für sie ist die Macht über einen anderen Menschen wichtiger als das Thema, um das es geht. Das Ganze funktioniert aber nur dann, wenn man es zulässt. Wenn ich zulasse dass jemand Macht über mich hat. Und das lasse ich nicht. Wie gesagt, ich bin in einem Frauenhaushalt groß geworden und kein Mann kann schlimmer sein, als ein kompletter Haushalt voller PMS.

Immer wenn ich eine polarisierende Meinung vertrete und diese in einem Artikel veröffentliche, bekomme ich ungefähr diese Reaktionen. Am ersten Tag gibt es eigentlich nur Zustimmung. Diese kommt meist aber nicht direkt. Ich bekomme sie als DM. als Mail und selten über soziale Netzwerke als Kommentar. Zustimmung gibt es meistens nicht öffentlich. In vielen Fällen aus Angst. 2-3 Tage später (wenn der Artikel vermutlich ausgedruckt und verteilt wurde, denn anders kann ich mir diese starke Verzögerung nicht erklären) kommen die Leute, die nicht nur den Artikel, sondern meine komplette Existenz in Frage stellen. In ihren kleinen Büros sitzend (in denen sie eigentlich arbeiten müssten), wettern sie einige Stunden darüber, wie dumm, krank oder beeinflusst ich sein muss, um diese Meinung zu vertreten, die ich vertrete. (Lustigerweise meistens Männer) Einen Tag drauf ist der Spuk wieder vorbei. Alle gehen ihrer Wege und an den Artikel erinnert sich kaum einer mehr.

Du dumme Feministin, du dumme Antifeministin, du dumme…. was warst du noch gleich?

Interessanterweise habe ich mit meinem letzten Artikel nicht nur Feministinnen vor den Kopf geschlagen, sondern gleichzeitig diejenigen, die Feminismus ablehnen. Keine Ahnung ob ich damit jetzt ein Archievement unlocked habe, aber wenn dem so ist, dann war das eines von denen, die man wirklich nur sehr selten bekommt.

Gleichzeitig habe ich noch mit Menschen geredet, die die Sache sehr ähnlich wie ich sehen – und das sind eigentlich die erfreulichsten Momente überhaupt, denn das zeigt mir, dass nicht jeder blind irgendeiner Ideologie hinterher rennt, sondern versuchen sich überall das herauszupicken, von dem sie denken, dass es sie irgendwie weiterbringt – und genauso sehe ich das.

“Wieso bist du eigentlich keine Feministin” – “Wieso nennst du dich nicht gleich Antifeministin?” sind beides Fragen, die immer wieder kommen. Ich werde mich in keine Schublade stecken, weil ich mich nicht damit wohlfühle. Ich habe bei jeder Bewegung mehr Kritikpunkte als Zustimmung. Ich will meine Meinung nicht von einer Bewegung abhängig machen. Ich bin keine Feministin, weil “Feminismus” ein Sammelbegriff für viele unterschiedliche Strömungen ist. Einige finde ich, sind eine gute Idee. Einige lehne ich sogar komplett ab. Einige haben zwar ein paar gute Ideen, versuchen diese aber für meinen Geschmack zu radikal durchzusetzen. Daher betrachte ich jede Idee und jede Lösung losgelöst von ihrer Strömung und bewerte sie danach. Das ist langfristig viel verständlicher für alle, die sich nicht in die Feminismustheorien einlesen wollen und können. Kurz: Nur weil ich Karnickel mag muss ich keinem Karnickelverein beitreten.

Frauen im Gaming != Frauen in der Gaming-Branche

Wenn ich darüber rede, wie Frauen in der Gaming-Community angenommen werden, dann kann ich dies nicht nur aus eigener Erfahrung tun, sondern auch aus Gesprächen mit anderen Gamerinnen. Vor allem sehe ich starke Unterschiede darin, ob man als Frau hobbymäßig mit dem Gaming zu tun hat oder ob Frauen in der Branche – also da wo es um Geld geht – sind.

Ich sehe da schon sehr starke Unterschiede. In der Gaming-Presse waren Frauen jahrelang nicht mehr wert als die Klickstrecken, der heißesten Gamerin, der heißesten Cosplayerin oder der heißesten Whatever. Frauen als Redakteurinnen haben es deswegen vor allem im Gaming umso schwerer. Wie soll man sich in dieser Umgebung wohl und respektiert fühlen? Selbst heute schafft ein Großteil der Presse nicht, normal über zockende Frauen zu berichten, obwohl es das normalste der Welt ist.

Bei den Technikblogs wars damals das “Gina Lisa Phänomen”. Als sie bei ihrem Walk bei Germanys Next Top Model mehr sehen ließ, als sie sollte, berichteten viele Techblogs darüber und bekamen an dem Tag ziemlich viele Klicks. Monatelang war genau dieser Suchbegriff immer noch der meistgesuchte in den Blogs.

Während gerade in der Gaming Community Frauen auch über MMOs hinaus anerkannt sind, berichtet die Presse darüber immer noch, als sei es ein Phänomen, wie eine Ufo-Sichtung oder ein Einhorn. Ich kenne hingegen fast keine Zockergruppe, in denen keine Frauen sind. Bei uns sind es drei Frauen, die sowohl gern Shooter, als auch gern MMOs spielen. Frauen sind keine Ufo-Sichtungen und Einhörner. Sie sind normal.

Vielleicht ist es für die Presse genau deswegen ein Phänomen, weil SIE es jahrzehntelang ausgeblendet haben. Die Presse dachte, wenn sie über etwas nicht berichten, dann gibt es das auch nicht und jetzt sehen sie sich einer heterogenen Community gegenüber, die sich nicht skandalisieren lassen will. Und was passiert? Es wird die Echtheit der zockenden Frauen bezweifelt. Ganz groß.

Keine Ahnung, aber ne Meinung

Eine Diskussion mit Anke Domscheit-Berg auf Twitter empfand ich hierbei sehr aufschlussreich. Meine Meinung zu ihr als Person hat sich in den vergangenen Jahren sehr stark gewandelt. Bevor sie zu den Piraten ging, habe ich sie als sehr meinungsstarke und vor allem geerdete Frau erlebt, die nur über Dinge redet, von denen sie auch weiß, dass sie Ahnung hat. Seit den Piraten hat sich das geändert und ich habe mittlerweile große Probleme mich mit ihr zu identifizieren. Sie wirkt ausgebrannt und gebrochen. Ich weiß nicht ob die Politik oder die Partei das mit ihr gemacht hat, aber es ist traurig sie so zu sehen. Ich möchte an meiner Meinung über sie nicht das Gesagte bewerten, sondern nur erklären, wieso ich denke, dass sie genau das macht, was der Gaming-Community schadet.

Ihrer Meinung nach sind die übersexualisierten und männerzentrierten Spiele das Problem. Sie vertritt hier eine ähnliche Meinung wie Sarkeesian. Sie ist leider auch der Meinung dass es wichtiger sei, derzeit das “Problem” anzuprangern statt Alternativen zu fördern. Ihrer Meinung nach müsse man das Problem erst in der Tiefe diskutieren, bevor man eine Lösung suchen kann. (sucht einfach mal in ihrem und meinem Twitter-Verlauf nach dem Gespräch, das wir am 7. September führten)

Diese Einstellung vertritt nicht nur sie, sondern viele die derzeit Games kritisieren. Und wenn ihr diese Argumentation einseitig findet, dann bin ich ganz bei euch, denn genauso geht es mir ebenfalls.

Es ist nicht so, als seien Games an sich ein frauenverachtendes Medium. Keineswegs. Aber hier kommen wir wieder auf die Arbeitsweise von Sarkeesian zurück. Sie hatte schon vor ihrer Videoreihe eine Meinung über Videospiele. Zum einen mochte sie Gaming nicht und zum anderen hielt sie Gaming für eine frauenverachtende Männerdomäne. Als sie ihre Videoreihe machte, war das Ziel nicht “Ich schaue mir Videogames an und bilde mir dann eine Meinung” sondern “Ich habe eine Meinung und suche nun so lang nach Beweisen, bis ich diese Meinung belegen kann.” Bei der Fülle an Videospielen, kann man allerdings so gut wie jede These, die man mitbringt belegen.

Übertragen wir diese Arbeitsweise einmal auf Filme, so könnte Sarkeesian Pornofilme dazu nutzen, um zu beweisen, dass die Filmindustrie als Ganzes übersexualisiert sei. Doch was sagt ein Pornofilm über die Qualität einer Dokumentation über Eichhörnchen aus?

- Genauso könnte sie Rap-Musik als Beweis nehmen, wieso Musik immer gewaltintensivere Texte habe. Doch was sagt Rap-Musik über die Qualität seichter Popmusik aus.

Genauso könnte sie den Hustler als Beweis dafür nehmen, dass uns das Lesen zu frauenfeindlichen Monstern macht. Aber was sagt der Inhalt des Hustlers darüber aus, was in einem Kinderbuch steht?

Um Gaming in seiner Fülle bewerten zu können braucht es eben mehr als nur ein paar Filmausschnitte, die man sich von YouTubern zusammenstibitzt hat. Es braucht Jahre, um überhaupt die Spielelandschaft als Ganzes zu erfahren und zu bewerten. Auch wenn ich mit Konsolenspiele groß geworden bin und erst seit 3-4 Jahren wieder aktiv spiele, fühle ich mich häufig immer noch nicht wirklich in der Lage über Computerspiele angemessen zu sprechen oder zu urteilen, weil ich eben sehr wenig gespielt habe, bevor ich wieder aktiv anfing.

Und hier kommen wir zu dem großen Problem. Die Leute, die derzeit Gaming verurteilen, haben ihr Wissen von denen, die darüber urteilen ohne jemals wirklich aktiv gespielt zu haben oder ohne mit anderen zusammen gezockt zu haben. Wissen aus 2., 3. oder 4. Hand ist nie gut, vor allem wenn man danach nicht selbst recherchierend tätig wird.

Das Gespräch mit Anke Domscheit-Berg hat mir gezeigt – hier reden Leute über ein Medium, für die Gaming selbst ein Buch mit sieben Siegeln ist. Sie kennen die Feminist Frequency Videos. Sie kennen die herausgepickten Szenen, aber sie haben selbst nie eines dieser Spiele gespielt. Sie haben vermutlich auch nie die positiven Gefühle erlebt, wenn man sich mit einer Gruppe Freunde durch eine Horde virtueller Monster prügelt. Sie haben es nie erlebt, wenn sie in einem Adventure die seltsamsten Dinge kombinieren und nach stundenlangem Gefluche in der Geschichte weiterkommen, weil sie für sowas einfach keine Zeit hatten. Sie haben andere Dinge gemacht. Dinge, die in ihren Augen sinnvoller waren. Und jetzt stehen sie hier und wollen uns erzählen, dass unsere Interessen und Leidenschaften falsch sind.

In der Presse sind Spiele ein Geschäft – keine Leidenschaft

Die Presse macht mit, weil man auch in der Gamingpresse kaum mehr dazu kommt die Spiele zu spielen über die man redet oder schreibt. Zwar gibt es vorab oft Presseexemplare der Spiele, aber die Leser wollen die Artikel noch vor Release lesen – spätestens aber zum Release. Wie sollen Redakteure eine differenzierte Meinung abgeben? Wenn es um Spieletests geht, so wird die Zeit in der die Spiele gespielt werden, oft nicht bezahlt. Das heißt Redakteure quälen sich in ihrer Freizeit schnell durch die Spiele durch (wenn überhaupt) und hoffen dann noch genug Zeit zu haben, über diese Spiele angemessen zu schreiben.

Meistens werden die Artikel dann mit technischen Beschreibungen gefüllt statt mit Bewertungen der Storytiefe. Es wird die Grafik gelobt, die Synchronsprecher, die detaillierten Figuren, der Soundtrack. Über all die Dinge kann man seitenfüllend schreiben, ohne das Spiel nur eine Stunde gespielt zu haben.  Wenn Spielen zum Geschäft wird, dann wird kostensparend gehandelt. Und Zeit ist Geld.

Es gibt natürlich auch positive Beispiele. Publikationen im Print-Bereich haben häufig mehr Zeit – aber auch hier merkt man langsam, dass diese der Aktualität des Online-Mediums nicht gewachsen sind. Man muss über die großen, gehypten Spiele berichten, weil man sonst keine Exemplare mehr verkaufen kann.

Frauen sind mehr als eine Klickstrecke wert

Unter #notyourshield meldeten sich viele Frauen aus der Community. Die Reaktion darauf war, dass von allen Seiten behauptet wurde, dass sie nicht existieren. Dass sie nicht echt sein können und dass es vermutlich Fake-Accounts irgendwelcher Männer seien.

Und genau so hat uns die Presse jahrelang dargestellt. Nichtexistent als Gamer – Nur existent als leichtbekleidete Models für eine Klickstrecke. Klickstrecken, die viel Geld von Werbekunden abknöpften.

Aber es gibt uns. Ob ihr das nun sehen wollt oder nicht. Ihr könnt weiterhin unsere Existenz leugnen und uns als gut gemachte “Sockenpuppen” irgendwelcher 4Chan-User bezeichnen, aber das ändert nichts daran, dass wir trotzdem hier sind und auch weiter darauf hinweisen werden. Gamerinnen sind mehr als nur eine Klickstrecke wert. In der Community sind sie schon lang existent und schon lang anerkannt. Im E-Sport gibt es schon seit Ewigkeiten Frauenteams. Und wenn ihr Frauen in der Community fördern wollt, dann tut das. Fördert nicht nur Frauen, die das sagen, was ihr hören wollt – die euch angenehm sind. Fördert Frauen in ihrer Gesamtheit – steht für Meinungsfreiheit und eine angstfreie Umgebung ein. Nur dann kann ich euch auch abkaufen, dass ihr es ernst meint und nicht nur Feminismus vorschiebt, um euch in einem besseren Licht darstehen zu lassen.

 (Die Videos im Artikel vereinen verschiedene Meinungen zum Feminismus von Frauen aus der Gaming-Branche oder auch aus der Gaming-Community. Ich habe hier absichtlich einmal keine männlichen Protagonisten gewählt, da ich dem Vorurteil entgegen wirken wollte, es würde keine Frauen geben, die widersprechen – oder sie seien alle Fake oder Sockenpuppen. Ich stimme nicht mit allen Videos überein, denke aber, jedem sollte Gehör geschenkt werden.) 

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Nein Anita, nein wirklich nicht – Gamer wehren sich unter #NotYourShield

Und so trug es sich zu, dass der Gamer, dessen einzig Begehr es war, seiner Liebe zu Computerspielen zu frönen, auf einmal gejagt wurde, weil er das edle Fräulein Prinzessin beleidigt zu haben schien. Und weil der Gamer im Königreich keinen hohen Ruf genoss, kamen sie mit den Mistgabeln ihn zu jagen und auf den Scheiterhaufen zu werfen. 

Das ist vermutlich das schlechteste Märchen der Welt. Ähnlich schlecht wie das was derzeit in der Journaille vor sich geht. Ähnlich schlecht was derzeit über die Gamer im Allgemeinen hereinbricht. Eine Flut erhobener Zeigefinger. Eine Flut an Beleidigungen und der Plan, Gamer noch weiter ins Abseits zu drängen.

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Man gehe auf die Straße und frage Menschen, was sie zum Thema Gamer so wissen. Was werden wir wohl hören? Männer, Killerspieler, keine Sozialkontakte, nie eine Freundin gehabt, übergewichtig, faul, ungewaschen…

Man könnte so weitermachen. Zusammengefasst könnte man also sagen, dass das Ansehen des Gamers schon seit langer Zeit beschmutzt ist. Gegen diese Stigmatisierung wehren sich Gamer auch schon seit ebenso langer Zeit. Es werden Proteste gegen jeden Artikel laut, der nur das Wort “Killerspiel” verwendet. Jedes Mal, wenn Gamer in ein schlechtes Licht gerückt werden, tut man sich zusammen und versucht das Bild positiv zu prägen. Man versucht Menschen, die dieses Hobby nicht teilen, verständlich zu machen, dass man ein ganz normaler Mensch ist, der eigentlich einfach nur Spiele spielt.

#NotYourShield

Und nun trägt es sich zu das einem der wohl anerkanntesten Gaming-YouTuber (ein weißer heterosexueller Mann) der Kragen platzt – und nicht nur ihm. Boogie2988 stört es genau wie viele andere auch, dass nun nicht nur vereinzelte Menschen auf die Gamer als Gruppe einprügeln, sondern auch die Medien – die Gamingmedien. Blogs und Magazine die EIGENTLICH auf der Seite der Gamer stehen. Die EIGENTLICH die Sicht der Gamer kennen sollten und die EIGENTLICH wissen sollten dass die Communtiy so vielfältig ist, dass man wohl kaum von einem frauenhassenden und rassistischen Haufen geifernder weißer Hetero-Männer sprechen kann.

Er ruft auf unter #NotYourShield auf, dem eigenen Frust Luft zu machen. Startet sogar eine Petition, um der Presse zu zeigen “Ich bin Gamer und benutzt mich nicht für eure billige Propaganda.” Und es funktioniert. Innerhalb kürzester Zeit melden sich zahlreiche Männer und Frauen, die genau diese Meinung vertreten. Sie sagen wer sie sind, und wieso sie zocken  und nicht der Vorwand sein wollen, wegen dem die Industrie zerstört wird.

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Das Abartige daran ist, dass genau diesen nun unterstellt wird, nicht real zu sein. Dass die Accounts ja nur Sockenpuppen verschiedener 4Chan-User seien. Als hätten Frauen keine eigene Meinung oder als hätten sie den Frauenhass schon so verinnerlicht, dass er ihnen gar nicht mehr auffällt.

Das sind nur wenige der zahlreichen Beiträge die es zu #NotYourShield gibt. Aber sie zeigen nicht nur sehr eindringlich, dass die Gaming-Community auch in diesem Versuch, sie zu diskreditieren, zusammensteht. Sie zeigen auch wie vielfältig Gaming ist. Sie zeigen wie vielfältig Gamer sind.

 

Sie zeigen, dass Gamer nicht nur aus allen Einkommensschichten kommen, sondern auch aus allen Nationalitäten und dass sie vor allem so unterschiedlich sind, wie sie nur sein können.

Es gibt “Bad Apples”

Da Gamer nur deswegen Gamer sind weil sie die gemeinsame Vorliebe für Videospiele haben, kann man Gamer nicht als gleichgesinnte Gruppe verallgemeinern. Nur ein einziges Hobby gemeinsam zu haben, macht eine Gruppe nicht homogen. Es wird – wie es auch außerhalb von Gruppen der Fall ist – immer Idioten geben, die dumme Sprüche reißen. Die vielleicht sogar Frauen hassen. Die gibt es aber auch unter Ärzten, Kindergärtnern und Handyverkäufern. Niemand würde auf die Idee kommen, deren Ansichten auf die komplette Gruppe zu generalisieren.

Die Gaming-Community ist aber stark und selbstbewusst. Unter #NotYourShield kann man sehen wie stark und wie selbstbewusst. Schon immer war sie in der Lage, die Bad Apples auszusortieren. Denn Gaming soll Spaß machen und das macht es nur mit den richtigen Leuten.

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Es ist unsere Verantwortung, diesen Bad Apples kein Gehör zu schenken. Ihnen keine Plattform zu geben und zu sagen, dass sie und ihre Ansichten nicht willkommen sind. Aber das ist nicht nur unsere Verantwortung als Gamer sondern als Menschen.

Dreckiges Marketing

Aber wieso funktioniert es? Wieso kann man Gamer so leicht diskreditieren? Das ist ganz einfach. Der Ruf der Computerspiele liebenden Menschen ist so oder so angekratzt. Als potentielle Amokläufer sind wir bereits in die Medien eingegangen. Als ungewaschene Nerd stellte uns noch vor wenigen Jahren ein großer Fernsehsender dar. Bei Schießereien und ähnlichen Vorfällen wird immer wieder herausgekramt, welche Computerspiele der Täter spielte und daraus werden die großen Geschichten gemacht.

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Gamer sind das alles gewohnt. Sie kennen das Gefühl von der Gesellschaft verstoßen, verletzt und nicht respektiert zu werden. Wieso sollte eine Frau Sarkeesian und eine Reihe Reporter da noch eine Rolle spielen?

Sie spielen eine Rolle, weil der Buzz, den sie verursachen ein anderer ist. Weil Frau Sarkeesian es perfektioniert hat ihre Internetauftritte und Handlungen so in den Mittelpunkt zu stellen, dass es jeder mitbekommt. Gleichzeitig schafft sie es, jeden gegen sich zu sehen, der nicht für sie ist. Der nicht bedingungslos für sie ist. Das lässt die Emotionen hochkochen. Und Gamingpresse, die sowieso schon einen schlechten Ruf hat, hofft dann, wenn sie mit bedingungsloser Unterstützung hinter ihr steht, ihren Ruf zu wahren.

Aber Frau Sarkeesian kommt nicht, um die Videospielindustrie zu retten. Síe kommt nicht, um Gamer zu retten. Sie hat sich einfach nur ein passendes Themenfeld gesucht, das vorher noch nicht mit feministischen Themen besetzt war – weil Frauenhass kein Thema war. Gamer hassen keine Frauen. Und da Gamer sowieso keinen guten Ruf genießen ist es nicht schwer den Leuten das zu präsentieren, was sie hören wollen. Sie wissen, dass Gamer schlechte Menschen sein müssen, aber ihnen fehlte eine Galionsfigur, die dies mit halbgaren Mitteln beweist. Deswegen müssen ihre Videos auch nicht gut und 100% richtig sein. Das interessiert niemanden, denn die Leute glauben das, was sie glauben wollen und finden sie Fehler, schauen sie drüber hinweg, weil es ja “für die gute Sache” ist.

Und hier wird jetzt gewildert. Mit allen Mitteln. Und während die Presse nickend daneben steht, denn eine Frau, die scheinbar bedroht wird, muss ja immer mit allem Recht haben, wehren sich die Gamer, denn hier soll etwas zerstört werden, mit dem sie sich identifizieren.

Gegen Hass und Gewalt

Fast kein Gamer (Bad Apples gibts überall) wird ein Problem damit haben, sich von Hass und Drohungen zu distanzieren. Viele Gamer haben aber ein Problem damit, wenn das Handeln einiger weniger, die in den Mittelpunkt gestellt wird und auf eine komplette Gruppe übertragen wird, weil das unfair ist. Es stellt die Tatsachen falsch dar. Natürlich unterstreichen Hasskommentare Sarkeesians Theorie, aber das darf nicht der Grund sein, eine überwältigende Masse an konstruktiver Kritik auszublenden, als würde sie nicht existieren.

Hass, Gewalt und Drohungen sind hier nicht das Thema. Das Thema ist, wie können Gamer es schaffen zu demonstrieren, dass sie Menschen sind, die einfach nur Computerspiele mögen? Da männliche Meinungen – mögen sie noch so hilfreich sein – nicht ernst genommen werden, ist es umso wichtiger, dass wir Frauen uns melden. Wir, die zockenden Frauen, die angeblich kaum existieren, die angeblich furchtbare Erfahrungen im Gaming gemacht haben, die ständig bedroht werden müssten.

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Wir müssen unsere Stimme erheben und neben unseren männlichen Gamer-Freunden sagen “Wir sind Gamer und wir hassen nicht. Wir lieben einfach nur Computerspiele.” Und das sage ich hiermit. Hört auf Computerspiele und Gamer als etwas Negatives darzustellen, denn Gaming ist etwas, dass mit sozialer Interaktion, mit Ablenkung vom schlimmen Alltag und Freundschaft zu tun hat und nichts mit dem, was ihr in euren kleinen Büros für euch konstruiert.

Zwei sehr unterschiedliche, weiterführende Artikel

#NotYourShield und Petition

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Der Fall Zoe – Wir müssen alle noch viel lernen

Das Internet diskutiert über das Ende einer Beziehung zweier Menschen, die sie vermutlich vorher nicht einmal kannten. Im Netz landeten persönliche Nachrichten, Ängste, Träume und Fehler sowie eine Debatte darüber, wie korrupt der Spielejournalismus ist, wenn er gegen sexuelle Gefälligkeiten Vorzugsbehandlung walten lässt. Aber wie viel davon geht uns eigentlich was an? 

Ich habe mich die komplette letzte Nacht und davor mehrere Stunden durch Meinungen gelesen. Ich habe mich auch durch die vom Exfreund aufgesetzte Website und seinen Tumblr gelesen. Ich habe verschiedene Reaktionen der Gaming-Magazine gelesen und auch welche Konsequenzen sie ziehen.

Die meiste Zeit, als ich las hatte ich nur das Gefühl von Mitleid mit beiden. Beide haben sich kennengelernt, ihrerseits viele Hoffnungen in ihre Beziehung gesteckt. Da beide aber wohl Probleme mit zwischenmenschlichen Beziehungen haben (wer hat die nicht? Nur manche trifft es härter als andere) funktionierte es nicht, obwohl sie es mehrfach versuchten – gegen Ende sogar herbeizwingen wollten.

Ich habe in meinem persönlichen Blog einmal einen Leitfaden geschrieben wie man mit Trennungen umgeht, wenn man im Internet gut vernetzt ist – wenn man also viele gemeinsame Freunde hat. Ich glaube die beiden haben so ziemlich alles falsch gemacht und das ist nun das womit wir umgehen müssen. Tausende Menschen mischen sich nun in ihre verlorene Beziehung ein und am Ende ist der menschliche Schaden größer als der einer Trennung je hätte sein können.

Ich hatte gleichzeitig aber auch das Gefühl, dass viele dieser Dinge nicht in die Öffentlichkeit gehörten. Er wollte seinem Frust Luft machen… Ich verstehe das. Er wollte den Leuten zeigen mit was er zu kämpfen hat. Auch das verstehe ich… Aber am Ende wird es weder ihm, noch ihr noch sonst jemandem besser gehen. Die Welt wird voller Scherben liegen und niemand wird sie aufheben. Stattdessen wird jeder durch diese Scherben hindurchlaufen und immer wieder daran erinnert werden, dass sie existieren und warum.

Persönliche Dinge sind persönlich – Geschäftliche Dinge geschäftlich

Lassen wir die persönlichen Probleme, die das ehemalige Paar hatte einmal beiseite, stehen wir vor einem weiteren Problem, das uns alle etwas angeht, sofern wir unabhängige Berichterstattung über Spiele als wichtig empfinden.  Jobs vor allem über persönliche Beziehungen zu bekommen ist etwas, das in fast jedem Zweig äußerst üblich ist. Bevor ein Job ausgeschrieben wird, überlegen viele Firmen, ob sie nicht schon jemanden haben oder kennen, der diese Stelle ausfüllen könnte.

Wenn zu diesen Vorgesetzten vorher Beziehungen bestanden haben, dann ist das unschön und kann vor allem das Arbeitsklima beträchtlich stören, vor allem dann wenn es einseitig auseinander ging. Aber da die involvierten Personen erwachsen sind, sollten sie das auch wie Erwachsene ertragen.

Wenn diese Beziehungen aber nur deswegen bestanden haben WEIL ein Job oder eine Berichterstattung gewollt war, dann sehe ich durchaus ein sehr viel größeres Problem, denn unabhängige Presse sollte eben das sein – unabhängig. Persönliche Beziehungen haben in der Arbeit nichts verloren.

Viele Seiten untersagen nun ihren Redakteuren viele Arten des Entgegenkommens von Spielefirmen oder Entwicklern. Bei Joystiq sollen sie nicht einmal mehr die Erlaubnis haben am Crowdfunding von Indie-Games mitzuwirken. Muss das aber wirklich so weit gehen? Hinter den meisten großen Seiten steckt entweder eine Firma oder ein Verlag, die in erster Linie an ihren Wert denken müssen. Der wird durch fehlende Glaubwürdigkeit geschmälert. Wenn man seinen Autoren aber so sehr vertraut, dass man sie mit Verbote belegen muss, dann hat man schon etwas grundlegendes falsch gemacht.

Auch Spieleredakteure sind in erster Linie Menschen. Menschen, die eine Leidenschaft für Spiele haben und gute Spiele ermöglichen wollen. Genauso geht es mir auch. Auch ich finde Spiele persönlich gut und schreibe darüber. Allerdings bleibe ich meiner Meinung treu und schreibe nichts gut, das ich selbst nicht gut finde.

Diesen Menschen nun aber genau das zu verbieten, was ein normaler spieleliebender Gamer tun würde, ist großer Unsinn. Vielleicht sollte man in den Fällen ein Auge mehr drauf werfen als sonst, aber das Verbot schadet nur.

Drama in the internetz

Wir haben einen Mann und eine Frau, die nicht mehr miteinander auskamen. Wir haben einen Mann, der darüber sehr verletzt ist und wir haben eine Frau die sich nun Hetze und Häme des Netzes ausgesetzt fühlt, weil sie eine Reihe von Fehlern gemacht hat, vor denen jeder Angst hat, dass irgendwer sie ihnen antut. Jeder wird emotional und Emotionalität tötet jede Sachlichkeit.

Muss man 100% hinter Zoe stehen, weil man sonst ein Frauenhasser ist? Nein. Muss man 100% hinter ihrem Exfreund stehen, weil man sonst kein Moralempfinden hat? Nein. Man sollte sich aber fragen wie die Industrie und Presse miteinander umgehen sollten und man sollte sich vor allem fragen wie viel Recht man selbst hat, jemanden zu verurteilen, der offensichtlich sehr viele Dinge in seinem Leben nicht im Griff hat.

Ich nehme sie nicht in Schutz, aber ich glaube, das was auf sie niederprasselt steht in keinem Verhältnis zu dem, was sie angestellt hat. Und für ihn tut es mir leid, dass er so eine traumatische Beziehung durchmachen musste. Von so etwas erholt man sich nur schwer.

Ich persönlich hoffe nur, dass sich beide in irgendeiner Art und Weise professionelle Hilfe suchen und sich auch helfen lassen, denn mit so einer Situation, wie sie jetzt gerade herrscht, wird man nicht allein fertig. Erst recht nicht, wenn man bereits mit vielen Problemen in die Situation hineingekommen ist.

Und liebe Internetzhetzer und -kommentierer. Sucht euch doch bitte ein anderes Thema und tretet nicht nach. Ich denke der Schaden ist schon groß genug.

 

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Musik hören während man zockt? Das sind meine Favoriten

Wenn ich zocke höre ich oft die normale Gaming-Musik. Aber ihr kennt das sicher auch – ihr habt ein Spiel nun schon so lang gespielt, dass euch die Musik des Games ziemlich auf den Senkel geht. So geht es mir auch häufig und so habe ich verschiedene Playlisten für verschiedene Spiele, die ich dann währenddessen höre. Ihr könnt auf diese Playlisten zugreifen, wenn ihr einen Account bei Spotify habt.

Guns Of Icarus oder jedes andere Steampunk-Angehauchte Spiel

Für Games mit Steampunk-Bezug wie zum Beispiel Guns Of Icarus verwende ich eine eigens angelegte Steampunk Playlist. Die habe ich passenderweise “Dampf und Monokel” genannt. Darin befinden sich Bands wie Abney Park und The Cog Is Dead sowie The Men That Will Not Be Blamed For Nothing. Letztere haben einen grandiosen Cthulhu-Song geschrieben.

Shooter

Viele würden Shooter jetzt im Prinzip erst einmal mit aggressiver Musik in Verbindung bringen. Ich höre dabei aber etwas ganz anderes und zwar eine Elektroswing-Playlist, die Spotify selbst angelegt hat und regelmäßig auf der Startseite präsentiert. Ich habe sie abonniert und sie eignet sich wundervoll. Es ist ein bisschen wie ein Zombiefilm, den man mit Richard Cheese unterlegt.

Minecraft

Minecraft ist mein Entspannungspiel. Wenn ich entspanne, dann brauche ich wirklich ruhige Musik. Oder zumindest beruhigende Hintergrundgeräusche. Für sowas habe ich dann die Playlist “Ohrenurlaub“. Darin befindet sich viel Ambient, zum Beispiel Biosphere.

Und während ich arbeite?

Das ganze kann man natürlich auch umkehren, denn Computerspiele bringen auch Musik mit, die sich durchaus hören lassen kann. Saints Row IV bringt einige lustige Radiosender mit. Und wenn man knapp 40h immer wieder den gleichen Radiosender gehört hat, dann vermisst man im Alltag seine Playlist. Aber das ist auch gar kein Problem, denn es gibt die bevorzugte Playlist auch bei Spotify zu abonnieren. Hier ist “The Mix 107.77

Und ihr so?

Welche Musik hört ihr beim Zocken? Was muss unbedingt dabei sein? Oder zockt ihr dann doch lieber mit der Ingame-Musik oder vielleicht sogar ganz ohne Musik?

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Wenn die Medien zockende Frauen für sich entdecken, geht’s nicht um die Spiele

Gestern habe ich ja über meinen ersten Monat Twitch geschrieben, welche Erfahrungen ich gemacht habe und wie es für mich weitergeht. Dann wurde mir gestern ein Link zugeschickt, wo die Top 10 der Twitch-Frauen gesammelt wurden und ich fand es so lang interessant, bis ich ihn klickte. Die Überschrift:

“Twitch: Diese heißen Babes zocken Ihre Lieblingsspiele!”

Keine Ahnung ob mit nach Lachen oder Weinen zumute war. Dahinter verbarg sich sich eine Klickstrecke mit Fotos. Entweder vom Stream (wenn Frau Ausschnitt zeigte) oder Archivfotos oder von Facebook gemopste Urlaubs- oder Strandfotos. Hauptsache genug Brust ist zu sehen.

Vorab – Ja es ist ein Beitrag von der Springerpresse gewesen und dass die trotz des großen Aufrufs in diesem Jahr Qualitätsjournalismus bringen zu wollen, nichts liefern, sehe ich das trotzdem problematisch, denn dieses Medium hat Reichweite und genug Leser.

Leser, die nach diesem Artikel potentielle Twitch-Zuschauer werden könnten und die Art von Zuschauer werden, die man als Frau schnell blockieren sollte.

Aber die zeigen doch ihre Titten, dann wollen die das nicht anders

Viele Leute machen Twitch hauptberuflich. Es ist ihr Job, Spiele fürs Publikum zu spielen. Man verdient aber nur, indem man viele Zuschauer hat und auch aktiv im Stream hält. Zum einen für Werbeeinnahmen und zum anderen für Donations, die von den Zuschauern freiwillig gegeben werden.

Genau wie sich Bücher nach ihrem Aussehen verkaufen, geht der Blick in einem Twitch-Stream zuerst auf den Twitcher. Ist er sympathisch, mag man seine Art zu spielen, dann bleibt man da und abonniert sogar. Womit lässt sich denn der durchschnittlich pubertierende Junge so ködern? Richtig. Ein hübsches Mädel mit tiefem Ausschnitt. Dann ist auch egal was sie spielt und wie gut sie ist.

Hinter dem Ganzen steckt teils ein knallhartes Marketing-Konzept. Genau wie bei YouTube, wo einige Netzwerke Newsletter herumschicken und den Mitgliedern sagen, sie sollten mehr nackte Frauen in die Thumbnails einbauen, weil dies die Klickrate steigert. Für einige ist das der persönliche Stil, für andere ist es eine Werbe- und Marketingmasche.

Herabwertung ist okay

Das Problem ist, dass das allein der Grund ist, dass es okay erscheint, Frauen zu beleidigen und dann in den Streams mit eindeutigen Angeboten zu bombardieren. Ich bin häufiger als Gast bei einer Freundin im Stream und 30% ihrer Zeit im Spiel muss sie Typen zurechtweisen, die denken, sie könnten ihr eindeutige Angebote machen. Spätestens wenn sie sich “ziert” dann werden sie aggressiv und dann auch direkt gebannt. Dabei sieht sie sich keinesfalls aufreizend an, aber sie trägt  Make-Up. Überlebt mal. Da wird Make-Up bereits als Rechtfertigung gesehen, sich wie die Axt im Wald aufzuführen-

Die Herabwertung einer Frau scheint ab dem Zeitpunkt für die Öffentlichkeit also okay zu sein, wenn sie sich nicht wie eine graue Maus anzieht. “Sie will es doch nicht anders”, “Wenn sie sich so anzieht, hat sie es nicht besser verdient”, “Vermutlich hat sie im Hintergrund einen Kerl für den sie arbeitet.”. Alles das sind reale Kommentarfetzen aus der Artikeldiskussion.

Das Problem liegt weder bei Twitch, noch bei der Bild

Das Problem liegt weder bei der Bild, bei Twitch, bei den Streamern oder bei den Zuschauern. Das Problem gibt es deswegen, weil unsere Gesellschaft es so als okay ansieht. Es ist gesellschaftlich anerkannt, Menschen nach ihrem Aussehen zu bewerten und dementsprechend zu behandeln. Es ist anerkannt, dass Frauen, die sich aufreizend kleiden, jeglichen Anspruch verlieren, wie ein Mensch behandelt zu werden.

Die Bild bedient sich nur bestehender Mechanismen. Und die Bildleser sind die, die am wenigsten hinterfragen und die Parolen schreien, die sie vielleicht schon von ihren, vom Leben gefrusteten Eltern mitbekommen haben.

Zum Glück sind Gamer anders

Wenn es ums Gaming geht, sind die Leute zum Glück anders. Man kann aufgereizt gekleidet über die Gamescom gehen, ohne dumm angemacht zu werden. Cosplayerinnen können sich dort bewegen und ernten eher Bewunderung darüber, wie viel Mühe sie sich mit ihrem Kostüm gegeben haben, statt darüber wie viel Haut man sieht.

Selbst, wenn viele Frauen erst über ihre Freunde in Gaminggruppen hineinfinden – ich habe bislang och nicht gehört, dass sie in dieser Gruppe zurückgestellt werden oder nicht zu sagen hätten. Equal Gamers.

Was lehrt uns dieser Artikel aber nun? Was lernen wir von der Bildzeitung? (Ja wir können was lernen.) 

Wir lernen, dass Frauen im Gaming nur dann in den Fokus der medialen Aufmerksamkeit gelenkt werden, wenn sie hübsch sind oder aufreizende Kleidung tragen. Frauen als wirkliche Gamer sind in der Mainstream-Medienwelt noch nicht angekommen. Wir lernen daraus auch, dass eine Frau kaum eine andere Option hat, wenn sie in der Gaming-Szene bekannt werden will, als wirklich WIRKLICH gut zu sein (und damit wirtschaftlich relevant, weil sie Geld verdient) oder eben sich diesem Schema hübsch und halbnackt hinzugeben. Es geht in diesem Konstrukt kaum darum, dass Frauen Spaß am zocken haben.

Ich kann sehr gut verstehen, dass viele Frauen sich unter den Umständen gar nicht mehr trauen, überhaupt im Gaming-Bereich an die Öffentlichkeit zu gehen. Selbst in Deutschland sind die größten Let’s Player eben Männer. Es gibt zwar einige mittelgroße Let’s Playerinnen, aber die werden nie an die Zahlen der Männer heranreichen.

Und wie lösen wir das Problemchen?

Wäre ich jetzt Feministin würde ich einen Shitstorm gegen die Bild starten, würde sie alle Sexisten nennen und Galle spucken. Ich denke aber das würde gar nichts bringen, außer dass ich mich selbst zum Gespött mache.

So ein Marionettenspiel wie die Bild es veranstaltet, funktioniert nur so lang wie es Marionetten gibt, mit denen sie spielen können. Unser Ziel sollte es sein, langfristig die Menschen von dieser Art zu denken abzubringen. Wir sollten also schon unseren Kindern beibringen, wie man Menschen behandelt. Wir sollten Kinder nicht zu Bildlesern erziehen.

Da nun aber auch Bildleser Kinder bekommen, wird dies ein langer Weg sein, aber es ist machbar. Tiefe Einschnitte in das Wertedenken der Gesellschaft passieren nicht von heute auf morgen, aber man kann sie heute anfangen, dann ist es morgen zumindest schon ein bisschen besser.

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Der erste Monat Twitch mit dem EGO-Team

Wir sind relativ spät zu YouTube gestoßen. Wir sind nun auch relativ spät zu Twitch gestoßen. Seit knapp einem Monat senden wir allabendlich – je nach Lust und Laune – unsere Stream-Sessions. Nicht ganz fehlerfrei, aber immerhin lernt man ja am besten, indem man es einfach ausprobiert.

Die Suche nach der richtigen Software

Nach ersten Runden über die Twitch-Integration verschiedener Spiele, habe ich schnell festgestellt, dass ich etwas brauche, mit dem ich mehr Kontrolle über das Stream-Ergebnis habe. Mit der Open Broadcaster Software habe ich dieses Tool gefunden. Es ist kostenlos und bietet sehr viele Möglichkeiten. Dummerweise hat es aber auch einige Bugs und ist nicht unbedingt sehr einsteigerfreundlich. Aber man fuchst sich rein und nach einigen Sessions bekommt man ein Gefühl dafür, wie man das Programm einsetzen kann.

Keine Musik, (fast) keine Probleme

Die Frage ob Musik oder nicht, hat sich mir erst gar nicht gestellt. Da ich geplant habe, die Videos auch für Youtube zu nutzen, war es gar nicht möglich, auch Musik einzusetzen. Dazu hat Twitch mir diese Entscheidung zusätzlich schnell abgenommen, nachdem sie durch die neuen Nutzungsbedingungen für jeden Urheberrechtsverstoß 30 Minuten des Streams muten. Streamt man dann dazu nur eine Stunde, ist der Stream fast unbrauchbar.

Nachteile von Livestreaming

Während man bei Aufnahmen Dinge herausschneiden kann oder vielleicht auch Aufnahmen verwerfen kann, wenn sie schlecht geworden sind. Geht beim Streaming alles direkt live. Man sollte deswegen nur mit Leuten zusammen streamen, die sich der Verantwortung bewusst sind. Man streamt für den Zuschauer und möchte ihn unterhalten. Selbstzentrierte Menschen, die einen Stream crashen lassen könnten, sollte man direkt außen vor lassen, denn so macht Streaming keinen Spaß, wenn man immer Angst haben muss, dass jemand etwas tut, dass die Sendung komplett zerstört.

Vorteile von Livestreaming

Es entfällt Aufnahme, Schnitt, rendern. Alles das was beim Gaming mit der Community am meisten Zeit frisst und meist auch nicht wirklich delegiert werden kann. Dazu kann man direkt mit seiner Community interagieren und auf Fragen und Vorschläge direkt eingehen. Diese Vorteile überwiegen für mich in ihrer Priorität so sehr, dass ich die Nachteile gern in Kauf nehme.

Elvuns [EGO] – Zukunft auf Twitch

Solang Twitch den Dienst nicht durch irgendwelche halbgaren Lösungen weiter kastriert, werde ich auch weiterhin streamen, weil es mir sehr viel Spaß macht. Ihr könnt uns besuchen und uns folgen, indem ihr hier klickt und abonniert. 

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Borderlands The Pre-Sequel: Einmal mit und einmal ohne Skill

Das Borderlands Pre-Sequel wird diesen Herbst erscheinen. Geschichtlich zwischen dem ersten und zweiten Teil, erzählt es die Geschichte von Handsome Jack. Es erzählt, wieso es alles erst so weit kommen konnte, wie es im zweiten Teil kam. Auf dem Mond von Pandora schlüpfen wir in die Rolle des ein oder anderen bekannten oder unbekannten Charakters und schießen uns durch den Schwerelos-Shooter.

Wenn man eine dicke Wumme benutzt um seine Gegner zu erschießen, hat man bei Schwerelosigkeit das ein oder andere Problem. Rückstoß! Und auch das hat man bei Borderlands The Pre-Sequel nicht nur bedacht, sondern sogar zu einem Spielelement gemacht.  Fällt man einen Abgrund hinunter, kann man sich durch seine Jetpacks und den Rückstoßantrieb seiner Waffe wieder nach oben bringen.

Gamepad oder Tastatur, das ist die Frage

Auf der Gamescom 2014 habe ich das Borderlands Pre-Sequel zweimal anspielen können. Mittwoch konnte ich es mit Skill – also an der Tastatur und mit Maus spielen und Freitag in der VIP-Kabine von 2k. Dazu gabs gratis-Getränke und gratis-T-Shirts.

Dummerweise lief die Steuerung dort nur über das Gamepad und während ich kaum einen Gegner getroffen habe und generell die Steuerung wenig intuitiv fand, wusste ich ab dem Zeitpunkt – ich werde nie wieder einen Shooter mit Gamepad spielen, es sei denn man zwingt mich.

Das Spiel selbst ist sehr nah an Borderlands 2. An der UI und der Steuerung hat sich praktisch gar nichts verändert. Die Charaktere sind neu – also fast neu, denn Wilhelm (oh Gott, ich hoffe Handsome Jack hat nicht Wilhelm geschickt) und Claptrap (ja der ist eine spielbare Klasse) kennt man ja bereits. Die anderen beiden heißen

Nisha und Athena sind die beiden weiblichen Klassen im Spiel. Athena könnte man aus einem DLC von Borderlands 1 kennen und Nisha ist der Sheriff den man in Borderlands 2 als optionalen Boss bekämpfen muss.

Kurzer Einblick, aber nicht genug

Ich durfte mich zwei Mal mit Wilhelm durch die Massen kämpfen und er gefällt mir ziemlich gut. Problematisch ist natürlich, wenn man sich zwei mal mit einem bereits aufgelevelten Charakter halbstündig durch die Gegner schlägt, dass man keine Ahnung hat, welche Fähigkeiten er mit sich bringt. So hatte ich nicht das Gefühl, seine Fähigkeiten richtig ausgenutzt haben zu können.

Borderlands The Pre-Sequel spielt sich wie ein großes DLC. Aber sowohl Gearbox als auch 2k haben darum kein Geheimnis gemacht. Genauso soll es sich auch spielen. Es soll mit bekannten Charakteren die Geschichte von Pandora erklären und die Lücke füllen, die zwischen dem ersten und zweiten Teil entstanden ist. Der Release des Spiels ist am 14. Oktober. Ich kanns kaum erwarten.

gc

gamescom 2014: Elvun ist wieder mit dabei

Bei der diesjährigen gamescom werden wir von Elvun auch wieder mit dabei sein. Wer uns treffen möchte, kann sich entweder Mittwoch oder Freitag mit uns verabreden.

Unser persönliches Highlight wird die Wiederholung des Indie-Stands, der uns schon im letzten Jahr so gefallen hat.

Ansonsten lassen wir uns einfach überraschen was und wen die Messe so zu bieten hat. Interessanter als die Spiele sind nämlich die Menschen, die man dort treffen kann.

 

The Inner World

Achievements sind eine Pest und trotzdem wollen wir sie

Ich bin niemand der viele Spiele durchgespielt hat. Das kann an mir gelegen haben oder an den Spielen – oder beidem. Damals gab es aber eins noch nicht Achievements. Damals war das Ziel noch, ein Spiel durchzuspielen. Jetzt spiele ich mehr Spiele durch, bin aber trotzdem nicht glücklicher.

Ich habe letztens The Inner World durchgespielt (Review folgt bald). Ich tu mich schwer mit Point and Click und umso glücklicher war ich, das Spiel trotzdem geschafft zu haben. Doch am Ende des Spiels – ich hatte alles geschafft, zeigt sich mir dieses Bild.

The Inner World

 

Die Freude über das beendete Spiel war weg. Enttäuschung machte sich breit. Hatte ich das Spiel wirklich so schlecht gespielt? Hatte ich so viel übersehen? Nicht mal die Hälfte?

Ich schaute mir die Errungenschaften an und stellte fest, dass viele davon etwas mit Fehlern zu tun hatten, die man im Spiel hätte machen können oder mit Random-Tätigkeiten (wie zB versehentlich einen Gegner heilen).

The Inner World

 

Obwohl ich das Spiel durchgespielt hatte, fühlte ich mich, als hätte ich versagt. Ich hatte das Spiel nicht wegen der Achievements gespielt. Aber zu sehen, dass ich nicht alle mit dem Durchspielen bekommen hatte, war irgendwie ein Negativerlebnis.

Und der erste Gedanke war, sollte ich zurück ins Spiel. Es einfach noch mal neu spielen und dann mich auf die Achievements konzentieren? Was ein Unsinn eigentlich. Sollte ich mir die wunderbare Spielerfahrung kaputt machen?

Die Jagd nach Archievements hat mich schon dazu gebracht, Spiele “durchzuhalten” obwohl ich sie eigentlich gar nicht so spannend fand. Aber das darf ja nicht das Spielziel sein. Vielleicht sollte ich langweilige Spiele einfach vorher aufhören. Vielleicht sollte ich damit leben, dass meine Komplettierungsrate miserabel ist.

Wie steht ihr zu Achievement-Hunting? Habt ihr auch ein Auge drauf oder sind sie euch völlig schnuppe?