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Geboren 1988 und im zarten Alter von zwölf im Besitz eines eigenen PCs. Mit meinem kleinen Bruderherz habe ich viele Spiele gespielt, bevor wir mit Diablo II die Welt des Online-Spielens entdeckten. Ich kann mich lange für ein Spiel begeistern und habe fünf Jahre in Guild Wars zugebracht. Mittlerweile darf's auch gerne mal ein Shooter, Rollenspiel oder vielleicht ein Adventure sein. Wenn ich nicht am Computer beschäftige, habe ich meinen 3DS oder tauche ab in die wundervolle Welt des Pen&Paper-Rollenspiels (WoD und DSA).
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NOSGOTH: Blutsauger vs. Rebellen

Als ich vor ein paar Wochen einen Key für Nosgoth geschenkt bekam, hätte ich nie gedacht, dass dieses Spiel mich so fesseln würde. Eine Schwäche für Vampire habe ich, seit ich 2006 begann, meinen ersten Pen & Paper Rollenspiel-Charakter, eine Toreador-Lady, durch die World of Darkness zu führen. Die Vampirklassen, die man in Nosgoth spielt, stammen ebenfalls aus einer düsteren vor-Twilight-Ära, nämlich aus der Welt der Legacy of Kain-Reihe. Statt eines Rollenspiels handelt es sich bei Nosgoth um ein teambasiertes PvP-Spiel, das sich momentan noch in der Closed Beta befindet, was sich aber bald ändern soll: „We are currently targeting Winter as a release for our Open Beta. Winter for this purpose runs from late December to late March.“

In jedem Match bekriegen sich zwei Vierer-Teams Vampire und Menschen in einer jeweils zehnminütigen Hin- und Rückrunde. Während die Vampire den direkten Körperkontakt zu ihren Opfern suchen, versuchen die Rebellen Nosgoths diese mit Fernkampfwaffen auf Abstand zu halten. Beim Start stehen Hunter und Alchemist auf Menschenseite zur Verfügung – da ich bei Left4Dead 2 auch immer lieber zur Shotgun greife, bin ich an der Alchemistin samt ihrer eher ungenauen Waffe mit ordentlich Wumms hängen geblieben. Neben dem Waffenangriff und einer eher schwachen Nahkampf-Schubs-Option verfügt jeder Charakter über eine primäre und sekundäre Fertigkeit und einem dauerhaftem Perk, die nach und nach durch in den Matches verdientes Ingame-Gold gekauft werden können. Da ich meine Fähigkeit zum Zielen durchaus realistisch einschätze, ist meine Level-14-Alchemistin mittlerweile auf AoE spezialisiert… Die Level haben keine spielentscheidenden Auswirkung auf die Klassen, allerdings gibt es alle fünf Level eine Waffenkiste und auf dem Maximallevel 25 einen Skin für die Klasse. Accountübergreifend kann man Level 40 erreichen, dabei erhält man wiederum alle fünf Level die Möglichkeit, eine Klasse nach Wahl freizuschalten.
Optisch angetan hat es mir vor Allem der Prophet, eine okkulte Pistolenschützin, die gerne Lebenspunkte gibt, um Mitspieler zu schützen oder Vampire in das Nichts zu schicken. Den Hunter und den Scout, einen kletternden Bogenschützen, habe ich bisher nicht gespielt, da ich erst mal meine Alchemistin meistern möchte. Heilen und Munition nachladen können sich die Menschen an Schreinen über all auf der Map, die aber alle einen Cooldown haben.

Und die andere Seite?

Vampire sind nicht auf so schnöde Schreine angewiesen, sondern regenerieren sich mit der Zeit von selbst und laben sich stilecht am Blut ihrer erlegten Feinde. Auch wenn ich sonst immer für sneaky Spielweisen zu haben bin, konnte mich die Startklasse des Reavers nicht begeistern, stattdessen hat’s mir der Tyrant angetan, ein Berserker mit Fähigkeit zum beeindruckenden Weitsprung. Reinspringen, druffbolzen, Schädel-zerquetsch-Animation genießen und dem mit unglaublich cooler Stimme vorgetragenen Spruch des Siegers mitgrunzen. Vermutlich spiele ich ihn auch nur wegen der Synchronisation. Den fliegenden Sentinel finde ich so nervig, wenn ich gegen ihn spielen muss, dass ich ihn selber nie wähle. Die Deceiver-Klasse ist mal ganz unterhaltsam, da man mit ihr menschliche Form annehmen kann und die Rebellen rücklings erdolcht. Neben dem Standard-Angriff verfügen alle Vampire über einen speziellen Angriff, der sie an ihre Opfer heranstürmen oder springen lässt, sowie bei den Menschen zwei Fertigkeiten. Die Vampire haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber ihren Gegnern: Sie können an allen Gebäuden und Hindernissen heraufklettern und von Dach zu Dach springen, um sich über ihren Feinden zu verteilen und anzugreifen.

Bellas schlimmster Alptraum: Dieser Vampir glitzert nicht.

Bellas schlimmster Alptraum: Dieser Vampir glitzert nicht.

Was soll noch kommen?

Nosgoths größte Baustelle ist noch das Matchmaking. Anfangs wurden die Teams levelbasiert gebildet, nun ist nach mehreren Anläufen das neue Matchmaking Rating eingeführt worden. Zwischenzeitlich waren für ein Vierer-Team die Chancen besser, im Lotto zu gewinnen, als gemeinsam einem Match beizutreten, mittlerweile funktioniert es aber in den meisten Fällen. Das MMR ist typischerweise u.a. vom Ausgang der Spiele abhängig – bisher scheint es mir noch ungenau, denn meine letzten Spiele habe ich alle ungewöhnlich hoch verloren…
Neben der Open Beta sind bisher schon zwei neue Klassen und ein Crafting System für die Waffen aus den Belohnungstruhen angekündigt. Die neue Vampir-Klasse Summoner verfügt auch über Fernkampfangriffe, zum Menschen ist noch nichts bekannt. Bisher sind alle Waffen und Fähigkeiten über Ingame-Währung zu erhalten, ebenso wie spezielle Skins zu Events wie dem momentanen Dead of Winter. Einzig für die Klassenskins muss man Echtgeld hinblättern.

Der Prophet - genau mein Typ!

Der Prophet – genau mein Typ!

Und warum spiele ich es?

Ich liebe Nosgoth für die temporeichen Kämpfe und den Wechsel von Nah- und Fernkampf in jeder Runde. Die fünf Maps sind alle abwechslungsreich und die Charaktere düster gestaltet. Ihre Ausrüstung und Kleidung ist zweckmäßig und nicht übertrieben – alles zusammen wirkt die Welt sehr stimmig, sofern man während der Matches die Zeit findet, sich umzuschauen. Die Klassen unterscheiden sich ausreichend in ihrer Spielweise, auch wenn ich vorerst bei meinen Lieblingen Alchemist und Tyrant bleiben werde. Ich habe etwas mit den Fertigkeiten experimentiert, bevor ich die passenden Builds für mich gefunden hatte. Die Auswahl an Fertigkeiten ist natürlich nicht so gewaltig wie bei einem MMO, aber gerade deshalb bin ich noch auf das kommende Crafting-System gespannt.
Die Strategie ist eigentlich jedes Mal dasselbe: Die Menschen rotten sich zusammen, die Vampire verteilen sich und stürzen sich auf sie. Das klappt auch mit zufällig zusammen gewürfelten Teams ganz gut, das entscheidende ist aber das Timing – und das klappt meist nur wirklich gut, wenn man als Gruppe gemeinsam im TS ist (selbstverständlich beim teambasierten PvP eigentlich…). Also: die Welt und Klassen – sehr schön, der Kampf: spaßig, das richtige Team: unbezahlbar.
Wer Nosgoth testen will, sollte auf Twitter die Augen aufhalten, denn dort werden regelmäßig Beta-Keys verteilt: Nosgoth

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Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere – Lohnt es sich, den Film zu schauen?

„Dann haben wir ja doch noch eine Chance, das hier zu überleben“
Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere

Vorab muss ich sagen, dass ich bisher keinen Film gesehen habe, der mir besser gefiel als die Herr der Ringe Trilogie – und diesem Vergleich muss „Der Hobbit“ sich stellen. Dementsprechend hoch waren auch meine Erwartungen an die Prequels und so wurde ich vom „Hobbit“ teilweise enttäuscht. Keine Frage, alle drei Filme sind großartig, aber sie schaffen es nicht, die Atmosphäre der epische Reise zu vermitteln, wie es „Der Herr der Ringe“ tat. Allgemein erweckt die neue Trilogie den Eindruck, Regisseur Peter Jackson wolle zu viel von allem. Die Umsetzung des knapp 400 Seiten Kinderbuchs in drei Filmen hat schon im Vorfeld für viel Kritik gesorgt. Mir hatte die Aussicht gefallen, wieder eine relativ ruhige Erzählung in Mittelerde zu genießen – stattdessen hetzt die zwergisch-hobbit’sche Reisegruppe durch die Landschaft und verzichtet auf Dialoge in altertümlich anmutender Sprache, um Platz zu machen für allerhand neu eingeführte Kreaturen wie den Riesen, dem Goblinkönig oder im aktuellen Teil den Wehrwürmern und optischen Spielereien.

Worum geht’s?

„Die Schlacht der fünf Heere“ erzählt das Ende von Bilbos Reise zum Berg Erebor. Nachdem der Drache Smaug am Ende von „Smaugs Einöde“ den Berg verließ, um Seestadt zu zerstören, wird er in den ersten Minuten relativ schnell abgefertigt: Der Bogenschütze Bard mac-gyvert sich aus einem kaputten Bogen, einem brennendem Turm und der Schulter seines Sohnes eine Balliste und tötet Smaug mit dem Familienerbstück, dem schwarzen Pfeil. Seestadt ist zerstört und die Menschen machen sich unter Bards Führung auf nach Thal, einer Stadt vor den Toren Erebors, wo sie überwintern wollen. Zwergenkönig Thorin Eichenschild verbarrikadiert das Königreich unter dem Berg und verweigert ihnen seine Hilfe und vor allem die Auszahlung des Goldes, die er ihnen im Falle der Berg-Rückeroberung versprochen hatte. Die Suche nach dem Arkenstein lässt ihn vergessen, wer Freund und wer Feind ist. Mittlerweile treffen auch die Heere von Elbenfürst Thranduil, Thorins Vetter Dain sowie die Orks unter Führung von Azog und Bolg und es kommt zu einer beeindruckenden gut 45-minütigen Schlacht. Bevor auch Zauberer Gandalf wieder in Thal eintrifft, muss er noch vom Weißen Rat – bestehend aus Galadriel, Elrond, Saruman und dem Ehrenmitglied Radagast – aus Dol Guldur befreit werden. Auch Legolas und Tauriel haben wieder größere Auftritte, allerdings wirken ihre Lebensgeschichten und Entscheidungen so furchtbar konstruiert, dass es zur Qual wurde, ihnen zu zusehen. Übrigens: An der Schlacht der fünf Heere nehmen im Buch die Heere der Elben, Menschen, Zwerge, Orks und Wargen teil – im Film werden die Wargen außen vorgelassen und durch die Riesenadler ersetzt.

Was war gut, und wann sollte man lieber den Kopf ins Popcorn stecken?

Optisch ist der „Der Hobbit“ natürlich ein Traum! Die 48 fps (frames per second) und 3D-Effekte waren am Anfang gewöhnungsbedürftig, ließen die Kampfszenen aber sehr gut aussehen, sowohl die Massenkeilereien als auch das sehr gelungene Eins-gegen-eins von Thorin und Azog. Der Soundtrack ist wie gewohnt von Howard Shore und bietet Wiedererkennungswert wie zum Beispiel beim Ringthema. Seit „Smaugs Einöde“ liebe ich auch die Melodie Seestadts, allerdings fehlen mir Lieder wie das von den Zwergen gesungene „Misty Mountain“ aus „Eine unerwartete Reise“.
Kostüme und Kulisse waren ebenfalls eindrucksvoll, Schlachten und Kämpfe gut anzusehen. Die Romanvorlage wurde im Großen und Ganzen gut umgesetzt, besonders die Anhänge aus dem Herr der Ringe. Am besten gefallen haben mir die Geschehnisse in Dol Guldur – da kam bei mir endlich wieder ein „Herr der Ringe“-Feeling auf. Dabei wird gezeigt, wie Sauron vom Weißen Rat aus dem Düsterwald vertrieben wurde und nach Mordor kam. Beeindruckt war ich auch von Darstellung Thorin Eichenschilds (Richard Armitage), der in der Halle Erebors mit der „Drachenkrankheit“ ringt: Er meint, Gold zu versinken, hört und sieht den Drachen Smaug unter dem vergoldeten Boden. Dass er den Kampf gewinnt, gefällt mir schon weniger, denn es nimmt dem „Hobbit“ die Tragik, nach der Zurückgewinnung von Heimat und Schatz den Verstand zu verlieren und weniger als Held, sondern vielmehr als bemitleidenswerter Wahnsinniger zu sterben.
Bemitleidenswert war auch der Dreier Legolas, Tauriel und Kili. Ich bin der Meinung, dass die Hobbit-Trilogie auch ohne lächerlich-kitschige Liebesgeschichte ausgekommen wäre. Statt mit den Figuren fühlen zu können, artete es in Fremdschämen aus, vor allem, als Legolas‘ Probleme mit seinem Vater Thranduil auch noch auf seine tote Mutter zurückgeführt wurden. Während der Rest von Thranduils Elfen-Armee in kühler Präzision Orks schnetzelt, aber dafür auch von ihnen erwischt wird, kämpft die Ein-Mann-Armee Legolas sich unverwundbar durch alles, was sich ihm in den Weg stellt und lässt nur zwei Fragen zurück: Wie konnte Thorin sterben, wenn Legolas ihm Feuerschutz gegeben hat? Und warum hat er im „Herr der Ringe“ nicht gleich den Ring genommen und die ganze Sache in 20 Minuten hinter sich gebracht, statt Frodo über 700 Minuten leiden zu lassen?

The-Hobbit-3-The-Score-Preview

Wie war es denn nun?

„Die Schlacht der fünf Heere“ ist in meinen Augen deutlich besser gelungen als seine beiden Vorgänger, da es stellenweise gelingt, an „Der Herr der Ringe“ anzuknüpfen. Der Namensgeber der Trilogie, der Hobbit Bilbo Beutlin, kommt etwas kurz, da er kein Kämpfer ist und sich eigentlich alles um die Schlacht dreht. Zwischendurch verliert er das Bewusstsein, ist aber rechtzeitig wieder da, um Thorins letzte Wort zu vernehmen. Ein Gespräch, dass ungefähr genau so schon einmal zu sehen war, nämlich als Aragorn dem sterbenden Boromir am Ende von „Die Gefährten“ Trost spendet…
Während mir die Orks optisch sehr zugesagt haben – vor allem Azog, der seinen Hähnchenspieß am Handgelenk gegen eine schicke Klinge eingetauscht hat – erinnerten mich die menschlichen Bewohner Thals an eine Mischung aus Rohirrim und Hipster. Zwergenkönig Dain aus den Eisenbergen nahm sich gerade eine Auszeit von seiner Heimat, dem Warhammer-Universum. Bilbos Ork-Frühwarnsystem Stich arbeitete auf Sparflamme und leuchtet erst, wenn die Orks schon über den Hügel hüpfen. Spontane Wetterphänomene bewirken, dass der Berg, von dem aus Azog sein Heer befiehlt, passend zum finalen Kampf in Schnee und Nebel gehüllt ist. Wenn man all diese Kleinigkeiten und die Legolas-Passagen ausblendet, ist der letzte Teil des „Hobbits“ eine ganz gelungene Umsetzung des Romans mit epischer Schlacht. Zwar mag ich hier sehr kritisch klingen, aber ich habe den Film trotz Allem genossen und werde in mir bestimmt noch mal anschauen, auf jeden Fall noch einmal in der Originalfassung.