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Nein Anita, nein wirklich nicht – Gamer wehren sich unter #NotYourShield

Und so trug es sich zu, dass der Gamer, dessen einzig Begehr es war, seiner Liebe zu Computerspielen zu frönen, auf einmal gejagt wurde, weil er das edle Fräulein Prinzessin beleidigt zu haben schien. Und weil der Gamer im Königreich keinen hohen Ruf genoss, kamen sie mit den Mistgabeln ihn zu jagen und auf den Scheiterhaufen zu werfen. 

Das ist vermutlich das schlechteste Märchen der Welt. Ähnlich schlecht wie das was derzeit in der Journaille vor sich geht. Ähnlich schlecht was derzeit über die Gamer im Allgemeinen hereinbricht. Eine Flut erhobener Zeigefinger. Eine Flut an Beleidigungen und der Plan, Gamer noch weiter ins Abseits zu drängen.

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Man gehe auf die Straße und frage Menschen, was sie zum Thema Gamer so wissen. Was werden wir wohl hören? Männer, Killerspieler, keine Sozialkontakte, nie eine Freundin gehabt, übergewichtig, faul, ungewaschen…

Man könnte so weitermachen. Zusammengefasst könnte man also sagen, dass das Ansehen des Gamers schon seit langer Zeit beschmutzt ist. Gegen diese Stigmatisierung wehren sich Gamer auch schon seit ebenso langer Zeit. Es werden Proteste gegen jeden Artikel laut, der nur das Wort „Killerspiel“ verwendet. Jedes Mal, wenn Gamer in ein schlechtes Licht gerückt werden, tut man sich zusammen und versucht das Bild positiv zu prägen. Man versucht Menschen, die dieses Hobby nicht teilen, verständlich zu machen, dass man ein ganz normaler Mensch ist, der eigentlich einfach nur Spiele spielt.

#NotYourShield

Und nun trägt es sich zu das einem der wohl anerkanntesten Gaming-YouTuber (ein weißer heterosexueller Mann) der Kragen platzt – und nicht nur ihm. Boogie2988 stört es genau wie viele andere auch, dass nun nicht nur vereinzelte Menschen auf die Gamer als Gruppe einprügeln, sondern auch die Medien – die Gamingmedien. Blogs und Magazine die EIGENTLICH auf der Seite der Gamer stehen. Die EIGENTLICH die Sicht der Gamer kennen sollten und die EIGENTLICH wissen sollten dass die Communtiy so vielfältig ist, dass man wohl kaum von einem frauenhassenden und rassistischen Haufen geifernder weißer Hetero-Männer sprechen kann.

Er ruft auf unter #NotYourShield auf, dem eigenen Frust Luft zu machen. Startet sogar eine Petition, um der Presse zu zeigen „Ich bin Gamer und benutzt mich nicht für eure billige Propaganda.“ Und es funktioniert. Innerhalb kürzester Zeit melden sich zahlreiche Männer und Frauen, die genau diese Meinung vertreten. Sie sagen wer sie sind, und wieso sie zocken  und nicht der Vorwand sein wollen, wegen dem die Industrie zerstört wird.

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Das Abartige daran ist, dass genau diesen nun unterstellt wird, nicht real zu sein. Dass die Accounts ja nur Sockenpuppen verschiedener 4Chan-User seien. Als hätten Frauen keine eigene Meinung oder als hätten sie den Frauenhass schon so verinnerlicht, dass er ihnen gar nicht mehr auffällt.

Das sind nur wenige der zahlreichen Beiträge die es zu #NotYourShield gibt. Aber sie zeigen nicht nur sehr eindringlich, dass die Gaming-Community auch in diesem Versuch, sie zu diskreditieren, zusammensteht. Sie zeigen auch wie vielfältig Gaming ist. Sie zeigen wie vielfältig Gamer sind.

 

Sie zeigen, dass Gamer nicht nur aus allen Einkommensschichten kommen, sondern auch aus allen Nationalitäten und dass sie vor allem so unterschiedlich sind, wie sie nur sein können.

Es gibt „Bad Apples“

Da Gamer nur deswegen Gamer sind weil sie die gemeinsame Vorliebe für Videospiele haben, kann man Gamer nicht als gleichgesinnte Gruppe verallgemeinern. Nur ein einziges Hobby gemeinsam zu haben, macht eine Gruppe nicht homogen. Es wird – wie es auch außerhalb von Gruppen der Fall ist – immer Idioten geben, die dumme Sprüche reißen. Die vielleicht sogar Frauen hassen. Die gibt es aber auch unter Ärzten, Kindergärtnern und Handyverkäufern. Niemand würde auf die Idee kommen, deren Ansichten auf die komplette Gruppe zu generalisieren.

Die Gaming-Community ist aber stark und selbstbewusst. Unter #NotYourShield kann man sehen wie stark und wie selbstbewusst. Schon immer war sie in der Lage, die Bad Apples auszusortieren. Denn Gaming soll Spaß machen und das macht es nur mit den richtigen Leuten.

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Es ist unsere Verantwortung, diesen Bad Apples kein Gehör zu schenken. Ihnen keine Plattform zu geben und zu sagen, dass sie und ihre Ansichten nicht willkommen sind. Aber das ist nicht nur unsere Verantwortung als Gamer sondern als Menschen.

Dreckiges Marketing

Aber wieso funktioniert es? Wieso kann man Gamer so leicht diskreditieren? Das ist ganz einfach. Der Ruf der Computerspiele liebenden Menschen ist so oder so angekratzt. Als potentielle Amokläufer sind wir bereits in die Medien eingegangen. Als ungewaschene Nerd stellte uns noch vor wenigen Jahren ein großer Fernsehsender dar. Bei Schießereien und ähnlichen Vorfällen wird immer wieder herausgekramt, welche Computerspiele der Täter spielte und daraus werden die großen Geschichten gemacht.

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Gamer sind das alles gewohnt. Sie kennen das Gefühl von der Gesellschaft verstoßen, verletzt und nicht respektiert zu werden. Wieso sollte eine Frau Sarkeesian und eine Reihe Reporter da noch eine Rolle spielen?

Sie spielen eine Rolle, weil der Buzz, den sie verursachen ein anderer ist. Weil Frau Sarkeesian es perfektioniert hat ihre Internetauftritte und Handlungen so in den Mittelpunkt zu stellen, dass es jeder mitbekommt. Gleichzeitig schafft sie es, jeden gegen sich zu sehen, der nicht für sie ist. Der nicht bedingungslos für sie ist. Das lässt die Emotionen hochkochen. Und Gamingpresse, die sowieso schon einen schlechten Ruf hat, hofft dann, wenn sie mit bedingungsloser Unterstützung hinter ihr steht, ihren Ruf zu wahren.

Aber Frau Sarkeesian kommt nicht, um die Videospielindustrie zu retten. Síe kommt nicht, um Gamer zu retten. Sie hat sich einfach nur ein passendes Themenfeld gesucht, das vorher noch nicht mit feministischen Themen besetzt war – weil Frauenhass kein Thema war. Gamer hassen keine Frauen. Und da Gamer sowieso keinen guten Ruf genießen ist es nicht schwer den Leuten das zu präsentieren, was sie hören wollen. Sie wissen, dass Gamer schlechte Menschen sein müssen, aber ihnen fehlte eine Galionsfigur, die dies mit halbgaren Mitteln beweist. Deswegen müssen ihre Videos auch nicht gut und 100% richtig sein. Das interessiert niemanden, denn die Leute glauben das, was sie glauben wollen und finden sie Fehler, schauen sie drüber hinweg, weil es ja „für die gute Sache“ ist.

Und hier wird jetzt gewildert. Mit allen Mitteln. Und während die Presse nickend daneben steht, denn eine Frau, die scheinbar bedroht wird, muss ja immer mit allem Recht haben, wehren sich die Gamer, denn hier soll etwas zerstört werden, mit dem sie sich identifizieren.

Gegen Hass und Gewalt

Fast kein Gamer (Bad Apples gibts überall) wird ein Problem damit haben, sich von Hass und Drohungen zu distanzieren. Viele Gamer haben aber ein Problem damit, wenn das Handeln einiger weniger, die in den Mittelpunkt gestellt wird und auf eine komplette Gruppe übertragen wird, weil das unfair ist. Es stellt die Tatsachen falsch dar. Natürlich unterstreichen Hasskommentare Sarkeesians Theorie, aber das darf nicht der Grund sein, eine überwältigende Masse an konstruktiver Kritik auszublenden, als würde sie nicht existieren.

Hass, Gewalt und Drohungen sind hier nicht das Thema. Das Thema ist, wie können Gamer es schaffen zu demonstrieren, dass sie Menschen sind, die einfach nur Computerspiele mögen? Da männliche Meinungen – mögen sie noch so hilfreich sein – nicht ernst genommen werden, ist es umso wichtiger, dass wir Frauen uns melden. Wir, die zockenden Frauen, die angeblich kaum existieren, die angeblich furchtbare Erfahrungen im Gaming gemacht haben, die ständig bedroht werden müssten.

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Wir müssen unsere Stimme erheben und neben unseren männlichen Gamer-Freunden sagen „Wir sind Gamer und wir hassen nicht. Wir lieben einfach nur Computerspiele.“ Und das sage ich hiermit. Hört auf Computerspiele und Gamer als etwas Negatives darzustellen, denn Gaming ist etwas, dass mit sozialer Interaktion, mit Ablenkung vom schlimmen Alltag und Freundschaft zu tun hat und nichts mit dem, was ihr in euren kleinen Büros für euch konstruiert.

Zwei sehr unterschiedliche, weiterführende Artikel

#NotYourShield und Petition

Ricarda

Chefredakteurin bei Elvun Gaming
'85 geboren und im Herzen ein Spielkind. Angefangen mit dem alten ATARI 2600 habe ich schnell meine Leidenschaft für Computerspiele entdeckt. Ich liebte es den bunten Pixeln dabei zuzuschauen, wie sie über den Bildschirm hüpften. Jetzt spiele ich gern Aufbauspiele, Simulationen und RPGs. Neben Computerspielen mag ich Rollenspiele und bevorzuge hier "Call of Cthulhu".

14 Gedanken zu „Nein Anita, nein wirklich nicht – Gamer wehren sich unter #NotYourShield“

  1. Hm, es ist vielleicht schon zu lange her, dass ich mich als Gamer so richtig ausgegrenzt gefühlt habe. Fast alle Leute, die ich kenne, zocken. Viele davon nur sehr fokussiert, meine Mutter beispielsweise hält sich an die Siedler und an diversen Versoftungen von Doppelkopf, eine Freundin spielt nur Echtzeitstrategie und MOBAs, ein paar Bekannte laufen mit ihrem Smartphone Ingress-Portalen hinterher. Viele Online-Bekanntschaften bloggen oder podcasten über Spiele, auch wenn man sich nur selten trifft, beispielsweise auf der Gamescom.

    Das war mal anders, den fetten Außenseiter mit seiner D&D-Gruppe habe ich in meiner Jugend auch durchgemacht. Dass es das heute überhaupt noch so gibt – heute daddeln doch alle auf Äpfeln und Androiden rum, bis die Spiderapp zuschlägt. Leute, die ihre Freizeit im Schützenverein verbringen oder Cosplays schneidern oder Tauben schicken oder Fußballclubs hinterherreisen sind genau so schräg.

    Die Videos von Anita Sarkeesian haben mich hauptsächlich aufmerksam gemacht und zum Nachdenken gebracht. Dass sie mich nicht für mein Hobby angreifen will, hat sie ja schon in der Einleitung gesagt. Nur zeigen, was sie sieht. Eine Betrachtung, wie sie in jedem anderen Massenmedium auch gemacht wird.

    Boogie2988 verfolge ich leider nicht, deswegen ist mir auch #NotYourShield relativ neu, muss ich mich erst einlesen.

    Klar kommen Kritiker wie Sarkeesian nicht, um die Gamer zu retten – hat das einer behauptet? Sie kommen, um den Finger in die Wunde zu legen. Das unterscheidet sie von den ganzen Bundestagsabgeordneten und Senatoren, die auf dem Rücken eine Randgruppe ihre Karrieren beschleunigen wollen. Deren Behauptungen waren aus der Luft gegriffen und absurd.

    Die Argumentation mit den „Bad Apples“ kommt mir ein bisschen so vor, als wäre das Problem nicht, dass Kritiker Todesdrohungen und Vergewaltigungsdrohungen kriegen, sondern dass sie öffentlichkeitswirksam darüber reden. Wenn sie doch einfach nur den Mund halten würden, würde schon wieder Ruhe einkehren und wir könnten das Chaos regeln.

    Hier sammelt sich ein Klumpatsch von Vorurteilen und Ängsten und viele Leute möchten gerne Grenzen ziehen, Gruppen bilden und sie vor ihren Karren spannen. Das ist ein sehr menschliches Verhalten, gerade bei tief verletzten Menschen. Ich hatte selber schon einige Phasen in meinen Leben in denen ich dachte, ich müsste „meine Leute“ austesten, „die oder ich“-Forderungen stellen und die rigoros aussortieren, die nicht bestehen.

    Also bleiben wir doch mal ganz cool und denken erstmal nach, welchen Karren wir mitziehen – darunter schließe ich mal alles ein, was seinen eigenen Hashtag hat – und ob wir überhaupt dran teilnehmen.

    Persönlich habe ich mir vorgenommen, den Kritikern zuzuhören und mir ihre Kritik anzunehmen. Keiner will irgendjemandem seine Spiele verbieten und Gaming ist sowieso schon so tief in der Gesellschaft angekommen, dass es nicht weggehen wird. Höchstens die Identität Gamer.

    1. Danke, das trifft es ziemlich gut.
      Sarkeesian betreibt Diskursanalyse anhand von Medienobjekten (Computerspielen, zuvor aber durchaus auch Fernsehserien und Filme), die „Gamer“ (alsoi die Konsumenten) hat sie bisher in keinem ihrer Videos angegriffen. Sie hat nicht einmal die Spiele an sich verurteilt, mahnt lediglich an, dass die von ihr beschriebenen „Tropes vs. women“ zu häufig benutzt werden und zu wenig (nicht: nie) gegenläufige Tendenzen zu sehen sind.
      Die in diesem Blogpost beschriebene Hetzjagd gegen „Gamer“ hat erst begonnen, nachdem Sarkeesian (und zuletzt auch Quinn) eine überbordende Menge Hass und Belästigungen aus einer selbsternannten Gamer-Elitekaste erfahren hat und ist tatsächlich keine Hetzjagd –
      Vielmehr wenden sich Journalisten (und auch Spielenthusiasten, also „Gamer“) demonstrativ von einer Bewegung ab, die teilweise unreflektiert und überallergisch, im Extremfall aber hasserfüllt und giftig gegen Frauen, Feministinnen, Journalisten und im Speziellen Sarkeesian und Quinn wettern – bis hin zu Vergewaltigungs- und Todesdrohungen sowie Hackerangriffen.

      Aber wo Sarkeesian Spiele verbieten will oder irgendwelche „Gamer“ angreift, konnte mir noch niemand erklären.

      1. Sarkeesian benutzt ganz viele Schlagwörter bei denen Frauen nicht gut bei weggkommen. Objektifizierung, Sexualisierung, dann die Verbindung vom „Erlösen“ von Frauen mit Gewalt gegen Frauen in der Realität. Also ich finde schon, dass da einige Aussagen getroffen werden, die für Gamer einen großen Vorwurf bedeuten und schwer zu schlucken sind. Natürlich werden die Spieler an sich nicht angegriffen, aber wo liegt die Grenze zwischen passivem Konsum und aktivem Handeln in Videospielen mit sexistische Inhalten? Da biste ruck zuck in der Verurteilung.

    2. Sie argumentiert ähnlich wie die CDU-Killerspiel-Hinterwäldler. Das haben wir vor einiger Zeit hinter uns gebracht. Nun ist eben sie dran mit einem Unterschied: Bei ihr ist es ein Geschäftsmodell. Sie hat – wie Tia richtig schrieb – hier eine Marktlücke gesehen. Da ist es ihr auch egal, ob sie dabei die Community zerstört. An dieser liegt ihr wohl eh nicht viel, wie wir alle wissen: https://www.youtube.com/watch?v=Afgtd8ZsXzI

      Abgesehen davon: Spiele sind mein Rückzugsort. Dorthin gehe ich, wenn ich dieser Realität mal entfliehen will. Falls ich dort ein sexistisches, kriminelles Arschloch sein will, oder ein weißer Ritter, der die Damsel im Bikini retten will, ist all das mein gutes Recht. Kein Politiker und auch sonst niemand und sicherlich keine professionellen Opfer sind hierzu eingeladen.

  2. Ich kenne Frau Sarkeesian nur von den beiden Videos die ich mir eben angeschaut habe, kann also über ihr bisheriges handeln nicht allzu viel sagen. (Gut die Videos sind wirklich langweilig und hätten nicht länger als 10 Minuten sein müssen, da sie sich laufend wiederholt und im Prinzip 100x das Gleiche erzählt.)

    Trotzdem fühle ich mich als Gamer von den Videos nicht angegriffen, sondern ich hatte eher das Gefühl sie wil die Entwickler einiger Games kritisieren (von denen ich viele auch gerne gespielt habe) ich aber die Darstellung von Frauen entsetzlich fand und mich an einigen Stellen gefragt habe ob das jetzt sein muss.

    Allerdings „vergisst“ sie (wahrscheinlich absichtlich) die Masse an Spielen zu erwähnen die nicht Sexistisch, Rassistisch oder sonst ein -istisch sind.

  3. Ja, nun, gut gemeint, aber leider faktisch falsch.

    Mit Boogie2988 hat #GamerGate und #notyourshiled nur insofern was zu tun, als dass er ein prominenter YouTuber ist, der auch unter dem Hashtag postet.

    #GamerGate ist ein Hashtag, der von Adam Baldwin ins Leben gerufen wurde (den kennen einige vllt noch als Jayne aus Firefly, inzwischen ist er zu einem erzkonservativen Dude geworden, der in erzkonservativen Radio-Sendungen in den USA auftritt). Baldwin hat eines der Videos vom YouTuber Internet Aristocrat gesehen, einem Kerl, der imho nicht nur erzkonservativ ist, sondern einfach nur Lügen und Hass verbreitet. In dem Fall darüber, wie sich eine Indie-Entwicklerin für positive Presse prostituiert hat (was längst widerlegt wurde, in den Kreisen allerdings nicht angenommen wird)

    #notyourshield ist dagegen scheinbar eine sog. culturejamming Taktik (also quasi der Versuch, eine als dominant wahrgenommene Position zu subvertieren/ins Lächerliche zu ziehen), die von 4Chan-Postern ausgeht. Hintergrund dafür ist eben auch #GamerGate. #notyourshield soll den Journalisten, die als Feindbilder dargestellt werden, den Boden unter den Füßen wegreißen, indem gezeigt wird: Guck mal, die ganzen Minderheiten für die ihr doofen Gutmenschen ihr euch in den Artikeln einsetzt, finden euch in Wirklichkeit total doof. Dag mag natürlich stimmen, beweisen lässt sich das schwer und ich bezweifele stark, dass die Twitter-Accounts, die unter #notyourshield posten „echt“ sind oder ob die Poster die Hintergründe/Ursprünge des Hashtags verstehen.

    Selbst wenn 99% aller Leute, die unter GamerGate posten total nette Leute sind, aus dieser Bewegung kommt unglaublich viel Hass gegen vorwiegend weibliche Journalisten, Blogger und Entwickler. Die privaten Anschriften von Entwicklerinnen wurden online gestellt, die Autorin Jenn Frank (eine der besten Autoren über Videospiele überhaupt) hat über die ständigen Vorwürfe, sie wäre korrupt/unethisch das Handtuch hingeschmissen, die Aktivistin/Bloggerin/Entwicklerin Mattie Brice auch, ebenso Lucy Morris von IndieStatik.

    Der angebliche Hass der Spielepresse auf Gamer geht im Prinzip nur aus von einem Artikel auf Gamasutra von Leigh Alexander, einem Blogpost von Dan Golding und ein paar zusammenfassenden Linktips von Kotaku, RockPaperShotgun etc. Wer die Artikel liest, findet keinen Hass auf Gamer, sondern Abhandlungen darüber, dass der Begriff „Gamer“ inzwischen obsolet ist, weil Games ein enorm großes Feld geworden ist und dass die Vorstellung vom klassischen Core-Gamer als Zielgruppe überholt ist. Es gäbe einfach nicht mehr genug davon. Gamer seien jetzt alle. Und ja, Leigh Alexander hatte in ihrem Artikel zum Schluss sehr harsche Worte („Misogynerds“ – Frauenhassnerds) übrig, das bezog sich allerdings auf die Außenwirkung und ihre Wahrnehmung der Leute, die EntwicklerInnen online mit Hass überschütten. Das würde ich persönlich nicht genau so unterschreiben, „Harrassment“, Hass und Kampfansage gegen Gamer vergleichbar mit den ewig alten Anti-Gamer-Angriffen der Mainstream-Presse ist das aber nicht.

    Das andere Hauptproblem, das GamerGater debattieren, die Korruption der Spielepresse, ist ein eigentlich uraltes Thema, das Journalisten seit JAHREN beackern (selbst in der vorletzten Gamestar ist ein sehr großer, sehr wütender, sehr leidenschaftlicher Artikel von Christian Schmidt dazu zu lesen). In der GamerGate-Ausprägung geht es aber vor allem darum, ob Journalisten miteinander und mit Indie-Entwicklern (vor allem wenn sie Frauen sind) befreundet sind, und ob das unethisch sei. Beweise dafür, dass das ein großes Problem ist und dass es hier in Vergangenheit zu Korruption geführt hat, gibt es aber nicht bzw. habe ich in all der Zeit, die ich das sehr aufmerksam verfolge (fast drei Wochen jetzt) nicht gesehen.

    Stattdessen sehr viele konfuse Meinungen, darunter sowas wie die Forderung nach Review-Seiten, die nur Release-Dates und keine Meinung veröffentlichen, nach Journalisten, die ihr komplettes Privatleben offen darlegen sollen, nach Seiten, die bitte keine politischen Themen besprechen sollen, nach der Abschaffung von SocialJusticeWarriors/Gutmenschen.

    Viele Entwicklerinnen, Journalistinnen, Bloggerinen haben aktuell Angst, überhaupt etwas online zum Thema zu sagen, weil sie befürchten, dass ihre Webseiten gehackt werden, ihre Adressen veröffentlicht werden und ihr professioneller Ruf in Frage gestellt werden.

    Die Fragen, die viele GamersGate-Poster diskutieren wollen, sind durchaus legitim, das Movement an sich ist jedoch ein verworrenes Dingsbums in dessen Schatten vor allem Frauen angegangen werden und was mit #notyourshield maskiert werden soll.

  4. Nein, Ricarda, nein, wirklich nicht.

    „Weil Frau Sarkeesian es perfektioniert hat ihre Internetauftritte und Handlungen so in den Mittelpunkt zu stellen, dass es jeder mitbekommt. Gleichzeitig schafft sie es, jeden gegen sich zu sehen, der nicht für sie ist. Der nicht bedingungslos für sie ist“
    Bitte was?
    Anita macht genau zwei Dinge:
    1. Alle halbe Jahre ein neues Video auf Youtube hochladen.
    2. Auf Twitter dann über den Backlash berichten, der ihr entgegen schlägt. Der wird übrigens dadurch erzeugt, dass jedes Wald- und Wiesen-Gaming-Onlinemedium jedes Video-Release von ihr sich rot im Kalender anstreicht und prominent ganz oben auf der Hauptseite plaziert. Also wer stellt sie hier in den Mittelpunkt? Und warum? Weil es die Empörung und Verwirrung erkennt, die Anitas bei der Leserschaft auslöst, den männlich weißen Nerds, die mit diesem ganzen Genderkram nix anfangen können und sich fragen, ob es nichts wichtigeres gibt, aber hey – es trotzdem schaffen, 100 Forenseiten mit ihrem Zorn zu füllen. Die lesen sich übrigens genau wie Copy & Paste wie die Foren zu den letzten Videos („Ich finde auch muskelbepackte männliche Helden…“, „Hat die gute Frau schon mal was von Beyond Good & Evil oder Mirror’s Edge…“, „Boah, ist die Schnalle hässlich“), alle sind geistig stehen geblieben, aber hey, es gibt Klicks und Ad-Impressions ohne Ende für die Betreiber, die ihre Pappenheimer kennen. Sogar der Heise-Verlag, der nicht gerade als gaming-affin bekannt ist, hat VIER Kommentare zu dem Thema rausgehauen – ausgewogen in pro und contra zwar – aber wer irgendwann schon mal in ein Heise-Forum geschaut hat, weiß, was da für ein Wind weht.

    Was Boogie betrifft: Ich halte ihn für einen verdammt lieben Kerl, dem ich schon lange folge. Allerdings nehme ich seine Aussagen immer mit einem Körnchen Salz, da er „das Gaming ™“ gerne als Verkündung des Weltfriedens verklärt, was die Menschen zusammenbringt. Ich verstehe das. Er wurde als fetter Junge zeitlebens in der Schule und der eigenen Familie gemobbt (ich kann dazu nur mal sein „Draw your life“-Video dringend empfehlen), der über Magic the Gathering und Videospiele Freunde fürs Leben gefunden hat, was ihm womöglich auch das Leben gerettet hat. Vielleicht überhört man da die ganzen zeternden Kiddies bei CoD. Aber weißt du, gerade er ist der Typ, der als „fat guy“ die ganzen „Die, you fat fuck“-Kommentare unter seinen Youtube-Videos bekommt. Gerade er – white, male, straight, cis hin oder her – müsste wissen, was abuse und harrassment bedeuten. Er hat darüber auch schon ein Video gemacht, wo er von „death by a thousand paper cuts“ spricht. Gerade von ihm hätte Solidarität gegenüber Anita und anderen Minderheiten „in tech“ erwartet.

  5. Ich kann dir in vielen Punkten leider nicht zustimmen.

    Ich glaube nicht, dass Anita Sarkeesian oder die Autoren der Artikel über die Anfeindungen gegenüber die gesamte Gamerschaft meinen und ich fühle mich durch diese Artikel auch in keinster Weise angegriffen.

    Ich sehe vielmehr, dass die Videos von Sarkeesian ein Aufruf an die Entwickler ist, ihre Vorgehensweisen zu hinterfragen. Sie erwähnt ja immer wieder, dass es völlig okay ist, an den Spielen Spaß zu haben und dass keiner der Spieler*innen direkt sexistisch ist, weil er Spaß an eben jenen Spielen hat.

    Sie erwähnt nur, dass ein so starkes Medium wie Videospiele durch eine übermäßige Darstellung der aufgezeigten Tropes gesellschaftliche Meinungen und Sichtweisen ändern können, was auch wissenschaftlich belegt werden kann.

    Dass sie deswegen nun angegriffen wird, wird in meinen Augen nicht so dargestellt, dass alle Menschen, die Videospiele mögen, ihren Vorwürfen entsprechen. Wenn gesagt wird, die Hater geben ihr recht, heißt das für mich einfach nur, dass die Darstellung von Frauen in Videospielen eben durchaus einen Einfluss auf das Meinungsbild MANCHER haben kann, dass es eben ein Problem mit der Darstellung von Frauen in vielen Videospielen gibt.

    Es ist auch nicht nötig, zu erwähnen, dass es doch so viele tolle Beispiele gibt. Die gibt es sicherlich und auch Sarkeesian hat diese ja erwähnt, nur wenn ein Video einen Fokus auf einer Problemlage hat, dann ist es ganz normal, dass nicht massenhaft positive Beispiele gezeigt werden, weil damit einfach das Thema verfehlt werden würde. Vereinzelte Games werden ja gezeigt… und Beispiele sollten immer vereinzelt sein 😉

    Von daher: Ich sehe die aktuelle Diskussion eigentlich positiv, weil das Potential da war, eine ernsthafte Diskussion über das Plotdesign vieler Videospiele zu diskutieren und andere Blickwinkel zu bekommen.
    Leider habe ich das Gefühl, dass viele Diskussionsteilnehmer*innen die Intention nicht gänzlich erfassen, vielleicht gar nicht jeweilige Videos und Artikel selber zu Gemüte geführt haben, sondern einfach dem aktuellen Schwarmverständnis folgen und ihren Senf abgeben.
    Damit meine ich übrigens weder konkret diesen Blog noch sonst irgendwelche Individuen, sondern schildere meinen Eindruck der Gesamtsituation.

    Ich finde es einfach schade, dass es, sobald die Gamingkultur als solche legitim und sachlich kritisiert wird, vielerorts keine vernünftige Auseinandersetzung mit dem Thema entsteht, sondern sich direkt in einem Wust aus Verteidigungen eingeigelt wird, was vor allem hier in meinen Augen absolut nicht nötig ist.

    Denn wie gesagt, die Thematik „Tropes vs. Women in Videogames“ greift weder die Spieler selber noch deren Hobby an, sondern führt vor allem dazu (und das bestätigen ja auch viele), dass die Entwicklungsteams von Videospielen ein paar Gedanken mehr in ihre Games einfließen lassen. Und das finde ich persönlich absolut positiv.

  6. Hier ist wieder etwas vermischt worden, was nicht ganz zusammen passt. #GamerGate betrifft nicht nur Sarkeesian, sie vllt sogar am wenigsten von allen Betroffenen. Ja ihre Videos sorgen immer wieder für ärger, denn für das Geld was sie bekommen hat (ich glaube 180,000$ waren es), liefert sie erstaunlich wenige und schlecht recherchierte Videos. Nur darum geht es hier keinen. Das Problem ist eine Freundesclique von Indieentwicklern und Videospielejournalisten, die sich gegenseitig den Rücken kratzen und sich bewerben.
    Im übrigen ist es nicht widerlegt! Der aktuelle bestätigte Stand ist zwar, dass Zoe Quinn erst nach dem letzten Beitrag über sie durch Grayson mit ihm eine Affäre begann, allerdings hat sie, nach dem sie TFYC „versehentlich“ (sic!) sabotiert hat, einen eigenen Jam ins Leben gerufen. Die Seite dazu meldete sie am selben Tag an, an dem die Journalisten zu denen sie ein enges Verhältnis pflegt über den gescheiterten Kickstarter TFYC berichteten und sie mehrfach erwähnt und zitiert haben. Am nächsten Tag ist sie „geschäftlich“ mit Grayson und anderen Entwicklern und Journalisten nach Las Vegas und dort begann die Affäre. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie schon vorher engen Kontakt hatten und sich nicht in Las Vegas zum ersten mal sahen. Der Escapist hat mittlerweile auch eingeräumt, dass er über ZQ Anschuldigungen von Wizardchan belästigt worden zu sein, ohne Überprüfung mit nur ihrem Wort als Beweis berichtet hat, Anthony Burch hat in einem Anfall von Wahnsinn selbst zugegeben, dass seine Freunde bei Destructoid positiv über ihn berichtet haben und eine Bloggerin für den Guardian hat ihr Handtuch geworfen, nach dem Aufflog, dass sie über den Fall geschrieben hat, obwohl sie a) an ZQ spendet und b) von der PR-Agentin Zoe Quinns und anderer Geld bekommen hat und selbst twitterte, dass sie keinen Gewissenskonflikt darin sieht Swag anzunehmen.

    Was #notyourshield angeht, bei den versuchen das und vieles weitere auf zu klären regnete es eine Menge beleidigende Tweets von Entwicklern, Journalisten und ihren Verteidigern als Antwort auf jede noch so sachliche Kritik (Beispiele: http://gamergateharrassment.tumblr.com/). Dabei stellten sie sich immer auf die Seite der unterdrückten Minderheiten ohne zu beachten, dass bereits einige Feministen und LGBTler etc. auf der Seite der Gamer stehen. Zusätzlich gab es in einem Zeitraum von zwei Tagen etliche Artikel auf den kritisierten Seiten, das „Gamer“ aussterben, nicht mehr gebraucht werden und eigentlich das widerlichste überhaupt sind.
    Viele weibliche Gamer und Gamer aus Minderheiten wollten sich nicht länger von den Karren spannen lassen und zeigen, dass sie sich in dieser Community wohl fühlen, die besagten Medien nicht für sie sprechen und haben unter dem Hashtag geschrieben. Denn das ist kein Kampf zwischen Misogynisten und Feministen, die Frontlinie ist zwischen einem exklusiven Kreis von befreundeten Bloggern, Journalisten und Entwicklern die jede Kritik mit Beleidigungen quittieren, blockieren und alle klein halten die anderer Meinung sind und der Spielergemeinde die keine Lust mehr hat sich beleidigen und ausnützen zu lassen.
    Und das schönste daran ist, Gruppen denen man ewig eingeredet hat, dass sie von den jeweils anderen gehasst werden (LGBT&Feminsiten&Traditionelle Gamer, 4Chan, Tumblr und Reddit) stehen an einer Seite und heißen jeden im Kampf gegen Korruption willkommen!

  7. OneSillyGamer: Sorry, du vermischst hier Dinge und stellst sie falsch dar.

    Dass viele Journalisten und Indie-Entwickler oft befreundet sind: Ja. Dass dadurch eventuell Interessenskonflikte entstehen können: Ja. Dass das zu weitreichender Korruption geführt hat, dass dadurch Spiele promotet wurden, die das nicht verdient haben, dass eine Illumanti-ähnliche Verschwörergruppe von mächtigen Journalisten und Entwicklern die Berichterstattung über Indie-Spiele in Geiselhaft nimmt und kontrolliert: Nein. Sorry, das sind paranoide Verschwörungstheorien, die Kern von Korruption im Journalismus vorbeigehen. Was korrupt ist, das sind nicht Indie-Entwickler, die Patreon-Kampagnen fahren, um ihre Miete zu bezahlen, sondern höchstens Publisher und Marketer, die mit Werbung versuchen, über Spielepresse Einfluss zu nehmen. Ob erfolgreich oder nicht, das wäre eine lohnenswerte Frage.

    Zoe Quinn hat den geplanten Game Jam von der Organisation The Fine Young Capitalists NICHT sabotiert. Das haben auch die Macher inzwischen selbst zugegeben. Was sie gemacht hat, das ist Kritik üben an deren Einstellungen, die sie – das gebe ich zu – durchaus falsch verstanden haben kann. Was dann passiert ist, war ein DDOS (also zu viele Zugriffe auf die Seite der TFYC), entstanden entweder durch tatsächlich zu viel Aufmerksamkeit durch Zoe Quinns Tweet oder einen Hack. Das war keine extra durchgeführte Sabotage.

    Was gescheitert ist und worüber Journalisten dann berichtet haben, ist NICHT TFYC sondern GAME_JAM, ein Game-Jam + TV-Show, der katastrophal aus den Rudern gelaufen ist, weil die Teilnehmer scheinbar furchtbar behandelt wurden (nachzulesen hier: http://indiestatik.com/2014/03/31/most-expensive-game-jam/), der Game Jam, den Quinn danach angefangen hat zu organisieren, Rebel Jam, war eine Reaktion darauf, nicht auf TFYC. Berichtet wurde über TFYC soweit ich das beurteilen kann, so gut wie gar nicht vor dieser ganzen Geschichte. Darüber wann sich Quinn mit wem getroffen hat, weiß ich nicht. Und ich glaube, das spielt auch eine sehr geringe Rolle. Natürlich triffst du dich mit Journalisten, wenn du ein neues Projekt besprechen/ankündigen willst. Natürlich erzählst du das den Journalisten, denen du vertraust, und die du wichtig findest. So funktioniert Journalismus. Als Journalist hast du Quellen und Kontakte, du pflegst Beziehungen. Wenn diese Beziehungen in den Weg deiner Arbeit kommen und Interessenskonflikte erzeugen, dann bist du dafür verantwortlich, damit verantwortungsvoll umzugehen. Im Fall von Grayson ist das passiert. Zwischen all den Anschuldigungen, er hätte so viel positive Berichterstattung über Quinn gemacht, sehe ich insgesamt zwei Artikel, die tangentiell mit ihr zu tun haben (Ein News-Post auf Rockpapershotgun darüber, dass Depression Quest und 49 andere Spiele durch Greenlight gewinkt wurden) und eine Story auf Kotaku über den gescheiterten GAME_JAM, an dem Quinn und andere EntwicklerInnen beteiligt waren.

    Wegen Jenn Frank:

    1. Patreon. Do the math. Jenn Frank bekommt aktuell über Patreon 1800 Dollar (das ist übrigens so ziemlich das gesamte Geld, das sie monatlich verdient, denk mal drüber nach). Spender können 5$ spenden im Monat, und bekommen dafür einen Artikel von Frank pro Monat. Die PR-Agentin Maya Kramer gehört zu ihren Unterstützern. Insgesamt gibt es 310 Unterstützer, die zwischen 5 und X Geld spenden können. 310*5 = 1550 Dollar. Sprich: ziemlich genau 300 Dollar fehlen. Maya Kramer bekommt über Patreon ungefähr 1000 Dollar zusammen. Laut eigenen Angaben, macht sie PR für Indies in ihrer Freizeit und braucht dafür das Geld von Patreon, um Indies auf Conventions zu unterstützen. Klingt das nach jemandem, der genug Geld hat, um Jenn Frank mit viel Geld zu unterstützen? Glaubst du wirklich, 5$ im Monat sind Korruption? 10$? Für eine Autorin, die keine Spiele reviewt, kaum über aktuelle Spiele schreibt und mit ihrer Arbeit nicht einmal genug Geld verdient, um davon zu leben? Seriusly!? Das ist die Korruption des Journalismus, von der wir ernsthaft sprechen?

    2. Jenn Frank hat in dem Artikel, den sie geschrieben hat, einen Disclaimer gesetzt, dass sie befreundet ist mit Zoe Quinn. Dieser Disclaimer wurde von der Rechtsabteilung des Guardian (des fucking Guardian, der britischen Zeitung, die mit den Snowden-Leaks zu tun hat) als nicht wichtig eingestuft und erst nach den Online-Protesten hinzugefügt, auf Bitten von Frank selbst. Wenn die Rechtsabteilung einer Zeitung, die mit den Snowden-Leaks arbeitet, also gottverdammt gut auf Trab sein muss, sagt: das ist nicht von Bedeutung, dann wurden aus journalistisch-ethischer Sicht alle Regeln befolgt.

    Man kann natürlich Jenn Frank auch einfach keinen Glauben schenken und sagen, dass das alles gelogen ist. Das geht natürlich auch.

    Wie schon vorher gesagt: Die Artikel, dass Gamer „das widerlichste“ sind, wurden größtenteils falsch verstanden. Das „Harrassment“ den GamerGater empfinden, ist die Wut von Journalisten und Entwicklern, die in den letzten Tagen mit vehementen Beleidigungen und Vorwürfen von Korruption und Verstößen gegen journalistische Ethik zu kämpfen hatten, die völlig an der Realität vorbeigeht.

    Ein 5$ Patreon ist keine Bestechung.
    Ein Bier mit einem Indie-Entwickler auf einer Convention ist keine Korruption.
    Ein Artikel, über einen Marketing-Begriff, der laut Meinung des Autors nicht mehr sinnvoll ist, ist kein Harrassment.
    Und die Galleonsfiguren des Movements (Davis Aurini, Jordan Owen, Internet Aristocrat, MundaneMatt) haben entweder keinen Einblick darin, wie die Spieleindustrie aufgebaut ist, verbeiten Lügen und Gerüchte und benutzen diese Plattform, um sich als Helden des Volks darzustellen

    1. Schöne Aufarbeitung der Ereignisse. Neben TFYC und Game_Jam interessiert mich aber noch der Vorfall mit Wizardchan und das Copyright-Takedown von JQ betreff eines Videos von The Internet Aristrocrate auf Youtube.

      Breitbandiges Löschen von Kommentaren und Diskussionen um dieses Thema im Internet haben sicher auch nicht geholfen, die Sache zu deeskalieren.

    2. „Die Artikel, dass Gamer “das widerlichste” sind, wurden größtenteils falsch verstanden.“

      Aha, alles klar dann! Bitte auch anwenden auf alle so genannten harassment tweets.

      Hey, ihr habt das größtenteils falsch verstanden!!11!

      Und gut ist. Schutzbehauptung galore! 🙂

  8. Ich habe diesen lesenswerten Beitrag leider erst jetzt entdeckt. Ich stimme dir ausnahmslos zu und bin froh, dass du hier nicht ebenfalls so einen hysterischen Aufriss machst, wie er seit dieser „Affäre“ im Netz die Runde macht. Pauschalisierungen und Anschuldigungen liest man im Netz ja leider zur Genüge.

    Spielen ist mittlerweile so populär, dass die Spielerschaft schlicht einen Querschnitt unserer Gesellschaft repräsentiert. Unsere Gesellschaft besteht aus unterschiedlichen Individuen. Manche davon sind nett, andere sind halt Spinner. Spinner haben mitunter fragwürdige Ansichten. Manche dieser Ansichten
    Genau das spiegelt sich hier wieder.

    Es handelt sich bei den frauenfeindlichen Parolen und Anfeindungen gegen Frau Sarkeesian oder auch Frau Quinn meiner Ansicht nach mitnichten um einen allgemeinen, strukturellen Misogynismus in der Spiel-Szene, sondern um die Absonderungen einiger Idioten, die aufgrund ihres häufig jugendlichen Durchschnittsalters oft noch nicht mal wirklich in der Lage sind, zu begreifen, was sie da für einen Mist bauen. Viele von denen werden wahrscheinlich später noch einsehen, dass sie falsch lagen, manche eben nicht. Das sind die halt Arschlöcher. Arschlöcher gab es aber schon immer und sie benehmen sich meistens daneben. Nichts anderes zeigt diese Debatte.

    Jetzt kommt der „moderne“ Feminismus ins Spiel, konstruiert daraus nach seiner üblichen Methodik eine strukturelle Problematik und verkündet anschließend verallgemeinernd, Spiele produzierten ein misogynes Umfeld, womit alle Spieler pauschal verteufelt werden, solange sie nur männlichen, weiß und heterosexuell sind. Und das nur aufgrund des vorlauten Geschreis einiger weniger pubertärer Bettnässer in bestimmten Foren. Obwohl man weiß, dass die unüberhörbar lauten Stimmen doch meistens nur die einer schreienden Minderheit sind.

    Nicht, dass man mich falsch versteht. Ich weiß, dass viele Spiele dumm und einfältig, häufig gewaltverherrlichend, beinahe immer klischeehaft, oftmals leider auch sexistisch und mitunter sogar frauenfeindlich sind. Mir passt das alles genauso wenig, wie Frau Sarkeesian, den Feministen oder jedem anderen Menschen, der seinen Verstand benutzt und ich würde was mir wünschen, zumindest ab und zu mal das Gegenteil zu erleben. Aber solange die Industrie damit Geld machen kann, wird sich das wohl nicht ändern und selbst diese Tatsache macht Spiele und Spieler nicht per se frauenfeindlich.

    Letzten Endes ist es umso wichtiger, dass Menschen wie Boogie2988 und andere der Öffentlichkeit zeigen, dass die Welt nicht nur aus Idioten und Arschlöchern besteht und die Spinner, die in der Anonymität des Netzes Hass und Drohungen verbreiten nicht die Mehrheit der Spieler darstellen.

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